Wohin fuhren früher die Güterwagen im Einzelwagenverkehr? Neben den Kunden, die an der Ladestraße im Bahnhof ihre Ware empfangen oder verladen haben gab es eine Vielzahl von sogenannten Privatanschlüssen. Ein Werk, Betrieb oder Lager hatte eine Weiche und ein Gleis, auf dem die Wagen bereitgestellt wurden. Auch bei der WLE gab es einige dieser Anschlüsse. Viele eigenen sich für den Nachbau auf einem Modul.
Nicht nur auf der freien Strecke, sondern auch in Bahnhöfen gab es Kunden, die über einen eigenen Gleisanschluß verfügten.
Die Eisenhütte
Bevor das Bier Warsteins Namen verbreitete, tat dies bis ca. 1970 die bedeutende Warsteiner Eisenindustrie mit u.a. deutschlandweit beliebten verzierten Gussöfen sowie weltweit geschätzten Warsteiner Fahrzeugachsen. Diese Eisenindustrie war der Motor für Ansiedlungen und das Wachstum der Stadt sowie der umliegenden Orte. Am Platz des alten Hüttengeländes war der Sitz des Unternehmens, das wegen wirtschaftlicher und gesellschaftsrechtlicher Veränderungen oft seinen Namen modifizierte – in Warstein nennt man es seit jeher »die Hütte«.
An diesem Platz lag seit 1739 die St.-Wilhelms-Hütte, eines der ältesten Sauerländer Industrieunternehmen. Die Hütte stellte sich bereits ab 1850, als der erste »Fensterrahmen Herdguss« erwähnt wird, sehr erfolgreich auf Eisenguss ein und nahm einen Aufschwung durch die Produktion von Maschinenbauteilen, von Abflussrohren und der weit über die Grenzen hinaus bekannten Warsteiner Gussöfen sowie mit einer Palette an umsatzstarken Industrieöfen. Ständige Anpassungen machten es möglich, dass die Produktion sogar die für die Region katastrophale Liquidation von 1967 überdauerte und der Betriebsteil als Zweigwerk der Olsberger Hütte noch bis 1978 weitergeführt werden konnte.

Der Anschluß
Bereits in den ersten Planung vor dem Bau der Bahn nach Warstein ist ein Gleis zur Eisenhütte vorgesehen.

Der Anschluß wurde eingerichtet, hatte aber mehr Gleise als in der ursprünglichen Planung.

Da sich auch Betriebsteile der Hütte höher am Hang befanden wurde in den 1940er Jahren nach einer Lösung gesucht, Gleise auch in diesen Werksteil zu legen. Interessant zu sehen, wie stark die Industriebahn ansteigt.

Die Lösung wurde schließlich in einer seltenen Konstruktion gefunden: einem Wagenaufzug. Im Vergleich zum Plan von 1928 wurde die Straße nach Suttrop verlegt, aber die Grundstücksgrenzen blieben erhalten.


Im Bilderarchiv der WLE befanden sich auch Fotos vom Schrägaufzug im Betrieb.



Die Hütte war ein sicherer und großer Verlader für den Bahnhof Warstein.


Die Hütte ist ein vielseitiges Motiv für einen Anschluß, eigenständig oder in einen Bahnhof eingebunden.
Quellen
Sammlung Christoph Riegel
Weg der Montangeschichte, Stadtmarketing Warstein
Archive WLE, Lippstadt und Soest
Sammlung der Eisenbahnfreunde Warstein (EFW)
Diverse Netzfunde