Ein recht unbedeutender Bahnhof im Möhnetal, zwischen Soest und Belecke, fast am Möhnesee gelegen.

Auf der Karte fast nicht sichtbar, zwischen den Ortspunkten Allagen und Völlinghausen. Das Dorf selber wird als Ndr. Bergheim abgekürzt.
Die Strecke wird am 1. Dezember 1899 eröffnet und der Bahnhof Niederbergheim erhält neben Ladegleisen auch ein langes Überholgleis. Die Einfahrsignale und die wichtigsten Weichen werden von einem Stellwerk am Bahnhofgebäude fernbedient.

Niederbergheim liegt im Tal der Möhne, südlich erstreckt sich der Arnsberg Wald. Damit ist das Hauptabfuhrgut aus diesem Bahnhof Holz. Im Dorf und der nahen Umgebung gab es nicht weniger als vier Sägewerke, am Anschlußgleis 4 das Werk Wrede, später Franke-Schwemmer. Aber nicht nur verarbeitetes Holz für die Bau- und Möbelindustrie wird verladen, auch ganze Baumstämme oder auf 2,5 m gesägtes Grubenholz für den Bergbau an der Ruhr.

Neben dem Bahnübergang am Wasserturm befand sich ein imposantes Gebäude. Dieses wurde kurz vor Eröffnung der Bahn für eine genossenschaftliche Schlächterei errichtet. Schon 1904 mußte die Genossenschaft Konkurs anmelden. Durch gute Kontakte eines der Gebäudeeigentümer in die Südsee wurden das Werk für eine Margarineherstellung aus Kokos- und Palmfett genutzt, aber auch für die „westfälische Wurst- und Fleischwarenfabrik Loag“. Beides wurde schon 1913 eingestellt. Über die Jahre wurden die Gebäude genutzt für eine Besenbinderei, als Getreidelager, für den Reichsarbeitsdienst und von einem Unternehmen der Blechverarbeitung. Seit 1978 werden Möbel als Einzelstücke hergestellt.
Zeitschiene
Old 1926



Die Abfahrtszeiten der Züge in Niederbergheim im Jahr 1933. Der Bahnhof ist besetzt und es werden die, für das Südnetz üblichen, fünf Personenzugpaare und ein Güterzugpaar eingesetzt. Kreuzungen finden planmäßig nicht statt.
IIIa 1955

In diesem Gleisplan von 1926 mit Änderungen von 1948 sind die Schrankenanlage und die Einfahrsignale bereits abgebaut. Es sind Planungen für die Rationalisierungsmaßnahmen der 1950er Jahre eingezeichnet.

Im Herbst 1954 sind Güter- und Personenverkehr auf der Möhnetalbahn besonders intensiv. Weiterhin sind fünf Personenzugpaare unterwegs, die in Belecke auch mit den Zügen der Stammbahn kreuzen. Hinzu kommt ein Zug (P 41) von Soest nach Belecke bei Bedarf, wie auch immer das bei Personenzügen funktionieren kann.
Die Lok von diesem Zug jedenfalls befördert den Bedarfsgüterzug Ng 726 von Belecke nach Soest. Weiterhin sind die Planzüge Ng 721 und 724 unterwegs und bedienen Niederbergheim.
Zusätzlich gibt es noch das Bedarfspaar Ng 723 und 722, welches auf der Fahrt nach Belecke auch Niederbergheim bedient.

IIIb 1958

Das Stellwerk ist stillgelegt, alle Weichen sind Ortsbedient und der Wasserturm ist abgerissen. Allerdings ist das lange Kreuzungsgleis noch vorhaden.

Ein letzter Versuch der Aufwertung der Möhnetalbahn vor der drohenden Stillegung. Ab 1957 verkehrt zwischen Münster und Bad Wildungen der „Kiepenkerl Express“, im Fahrplan als Eiltriebwagen Schienenomnibus (Eto) 4593 und 4594 vermerkt.
Die WLE Personenzüge wurden zusammengestrichen. Der P 31 verkehrt nur noch von Wamel (bis hierher Leerzug von Soest) nach Belecke und als Schülerzug P 32 zurück nach Soest. Das Paar P 35 und P 38 fährt noch von Soest nach Brilon und zurück.
Der P 39 fährt nur noch bis Belecke, kreutzt aber mit dem Ng 726 in Niederbergheim.
Im Güterverkehr bedient nur noch der Ng 722 den Bahnhof auf der Fahrt nach Soest.
Schon drei Jahre später:

Am 29. Mai 1960 wird der Personenverkehr zwischen Soest und Brilon eingestellt. Auch der „Kiepenkerl Express“ endet. Es bleiben noch ein bis zwei Güterzugpaare zwischen Belecke und Soest, welche aber auch nur noch wenige Minuten Rangierzeit in Niederbergheim verbringen.
Aber die Sonderzugfahrt der Eisenbahnfreunde Hannover am 3. September 1966 bringt uns fotografisch noch einmal nach Niederbergheim.


IV 1972
Am 17. April 1970 endet der Betrieb zwischen Soest Süd und Belecke und die Strecke wird in den nächsten Monaten abgebaut.
Exkurs – Möhnebrücken

Zwischen Allagen Dorfstraße und Niederbergheim befindet sich eine Schleife im Möhnefluß, die von der Bahn zwei Mal gekreuzt wird.

Auf dem Luftbild ist die WLE – Strecke von unten links kommend und etwa mittig nach rechts führend zu erkennen. Die Möhne teilt sich in den Hauptfluß und einen „Mühlengraben“ auf. Auf der „Möhne-Insel“ liegt das sogenannte „Liedwerk“ der Firma Dassel (Marmor- und Steinwerke), welches heute noch besteht. Dieses wird durch ein geschwungenes Anschlußgleis mit der WLE Strecke verbunden und benutzt die Wasserkraft der Möhne aus dem Mühlengraben. Am rechten Bildrand ist der Bahnübergang Niederbergheim mit dem markanten Fabrikgebäude zu erkennen.
Als erstes, von links unten kommend (aus Belecke / Allagen) wird die Möhne mit einer eckigen Kastenbrücke überquert.

Auf der anderen Seite der Insel befanden sich drei Bogenbrücken, von denen 1948 die östliche durch einen Betondurchlass ersetzt wurde.


Modell
Auch für diesen Bahnhof gibt es einen Vorschlag zur Umsetzung auf FREMO – Module. Etwas verändert wurde das Gleis zu Sägewerk und die Fabrik am Bahnübergang hat einen Gleisanschluß erhalten. Auch dieser Bahnhof kann von Old bis Epoche IV gut bespielt werden.

Quellen
Sammlung Christoph Riegel
Archiv WLE, Lippstadt und Soest
Weg der Montangeschichte, Stadtmarketing Warstein
Heimatvereine Müllheim und Sichtigvor
Sammlung Haus Dassel
FREMO WLE Zoom Februar 2025
Diverse Netzfunde