Scharfenberg

In einem Seitental zur oberen Möhne in der Nähe von Brilon hat Scharfenberg eine besondere Stadtgeschichte zu bieten und einen Bahnhof an der Möhnetalbahn.

Es sind 2,5 Kilometer vom Bahnhof bis zum Ort (Sammlung Riegel)

Der Ort Scharfenberg wechselt in seiner Geschichte öfter zwischen den Landesherren in Köln und Waldeck. Im Jahr 1847 brennt das Dorf fast vollständig nieder. Da das Landgut seine Abgaben nicht mehr entrichten kann erwerben 67 Einwohner dieses gemeinschaftlich und im Jahr 1911 nochmals 800 Morgen umliegenden Wald hinzu. Hierdurch wird der Ort zu einer der reichsten Gemeinden im weiteren Umkreis.

Die Strecke von Belecke nach Brilon Stadt wurde am 1. Dezember 1898 eröffnet. An der Wegbrücke von der Provinzialstraße über die Möhne zum Ort wird der Bahnhof eingerichtet. Das hauptsächlich zu verladende Gut ist Holz aus den reichen Waldbeständen der Gemeinde.

Erweiterungsplanung 1910 (Kreisarchiv Soest)

Auch die Erweiterung 1910 dient der Erhöhung der Holzverladung durch ein weiteres Ladegleis mit einem entsprechenden befestigtem Platz und Zufahrtsweg. Zusätzlich wird ein Gleisstumpf für die Aufstellung eines Verladekrans vorgesehen.

Ein Stellwerk, Einfahrsignale oder ferngestellte Weichen scheint es in Scharfenberg nicht gegeben zu haben.

Ansichtskarte um 1910 mit der gewölbten Möhnebrücke (Archiv WLE)
Im Jahr 1936 wird ein Antrag über die Verlängerung der Verladerampe verhandelt (Kreisarchiv Soest)
Ein romantischer Blick auf den Bahnhof, die Möhnebrücke und den Gasthof, etwa 1915 (Foto: LWL Medienzentrum)
Gleisplan etwa 1950 (Sammlung Riegel)

In diesem Plan ist das Gleis 3 über den Zufuhrweg zu den Lagerplätzen verlängert und das Gleis 5 als zusätzliche Verlademöglichkeit hinzugekommen. So erreicht der Bahnhof seine größte Ausdehnung.

Luftbild 1953 (Sammlung Riegel)

Das Luftbild zeigt neben vielen (zur Beladung?) abgestellten Güterwagen auch einen Personenzug mit Fahrtrichtung Brilon am Bahnsteig.

Zeitschiene

Old 1926

Ansicht des Bahnhofs etwa 1930 (Foto: Archiv WLE)

Es verkehren 5 Personenzugpaare, ein Zug mit Lok übernachtet in Brilon Stadt (BrS). Die Züge kreuzen in Belecke.

Die Lok von P 31 kommt mit dem G 729 nach Scharfenberg und bedient die Ladestellen. Auch der G 727 von Belecke und der G 728 der dorthin zurück fährt haben Zeit in Scharfenberg.

Zwischen G 727 und P 36 findet die Kreuzung in Schafenberg statt.

IIIa 1955

Viel hat sich nicht verändert. Weiterhin 5 Personenzugpaare, wobei einige Fahrplanlagen geändert wurden. Und die Bedienung durch die Lok vom P 31 hat jetzt die Zugnummern Ng 790 und 791.

Die anderen Güterzüge kommen jetzt aus Soest und werden nicht in Belecke „gebrochen“.

IIIb 1958

Die Einstellung des Personenverkehrs zeichnet sich ab. Nur noch ein Zugpaar von Soest nach Brilon Stadt verkehrt. Allerdings wird mit dem „Kiepenkerl Express“ ein Versuch des Gegensteuerns unternommen. Dieser Bundesbahn Eiltriebwagen Schienenomnibus (Eto) fährt von Münster über Soest und Brilon nach Bad Wildungen. Sonntags sogar als lokgezogener Personenzug mit einer neuen V 100 bespannt.

Für den Güterverkehr bleibt der bekannte Nahgüterzug von Belecke nach Brilon und zurück.

Nur drei Jahre später:

Am 29. Mai 1960 wird der Personenverkehr zwischen Soest und Brilon eingestellt. Auch der „Kiepenkerl Express“ endet.

Aber nicht nur für die Autobusse, die die Personenzüge ersetzt haben, auch für den rasant wachsenden Pkw und Lkw Verkehr soll die Provinzialstraße ausgebaut werden. Die breite Bundesstraße soll der Zubringer zur neuen Autobahn 44 werden und auch die Urlauber und Tagesausflügler schneller ins Sauerland bringen.

Gleisplan 1965 mit Planung der veränderten Straßenführung (Archiv WLE)

IV 1972

Nach dem Abriss des Empfangsgebäudes zu Gunsten einer großzügigen Straßenkreuzung und Vereinfachung des Gleisplans bleiben zwei Gleise in Scharfenberg.

Nach der Stillegung der Möhnetalbahn zwischen Soest Süd und Belecke Rangierbahnhof zum 17. April 1970 wurden die Leitungswege für Güterwagen auch für die Reststrecke Belecke bis Brilon Stadt über Neubeckum gelegt. Auch für DB Bahnhöfe zwischen Büren und Brilon wurden Wagen über die Möhnetalbahn befördert. Hierfür wurden zusätzlich Durchgangsgüterzüge eingelegt. Dieser Zeitraum 1970 bis 1978 brachte so die höchste Dichte an Güterzügen auf diese Strecke.

Buchfahrplan 1972 (sammlung Riegel)
Ng 427 in Scharfenberg, 2. Mai 1978 (Foto: Riehemann)

Das Gasthaus ist noch vorhanden, die Brücke über die Möhne wurde durch eine moderne Betonbrücke ersetzt.

Auch die Rampe ist noch da. 2. Mai 1978 (Foto: Riehemann)

Vom 6. Oktober 1975 an wurde die Strecke zwischen Heidberg und Brilon stillgelegt. Zuvor wurden noch einige Sonderzüge für / von Eisenbahnfreunden in Scharfenberg gesehen. So kamen Fahrzeuge auf diese Strecke, auf denen sie nie eingesetzt wurden.

DE 0902 auf der Rückfahrt von Brilon, Eisenbahnfreunde Hannover, 12. Mai 1973 (Foto: Jördens)
Am 22. März 1975 kommt VT 1032 aus Brilon zurück, Sonderzug Et 1119 (Foto: Riehemann)

Die Strecke wurde 1979 abgebaut.

Der letzte Gleisplan aus den Unterlagen, 1980 (Sammlung Riegel)

Gebäude

Das Empfangsgebäude von der Gleisseite, etwa 1950 (Foto: Bollen, Archiv WLE)
Mit einer Überdachung am Güterschuppen, 1956 (Foto: Archiv WLE)
Plan des Empfangsgebäudes (Archiv WLE)

Modell

Auch für diesen Bahnhof gibt es einen Vorschlag für die Umsetzung auf FREMO – Modulen. Links ist der Übergang auf das P22 (Provinzialstraßen) Profil vorgesehen. Es ergeben sich für den Transport jeweils ein Stapel mit drei Modulen mit 130 cm Länge und 100 cm Länge. Ein schöner, kleiner Landbahnhof.

Planung und Entwurf: Knut Riegel

Quellen

Sammlung Christoph Riegel

Archive WLE, Lippstadt und Soest

Kückmann, Beyer, Von Warstein bis ins Münsterland, DGEG Medien

Diverse Netzfunde