Der Anfang der Ver-diesel-lung

Nicht nur die Bundesbahn, auch die Lokomotivfabriken sahen zu Beginn der 1950er Jahre den Bedarf, die Zugförderung zu modernisieren. Es wurden Baureihenpläne für verschiedene Dienste aufgestellt. Bei der Industrie wurde dies durch ein Preisausschreiben des Verband Deutscher Nichtbundeseigener Eisenbahnen e.V. (VDNE) im Januar 1955 besonders befördert.

Dieses wurde auch im Vorstand der WLE zur Kenntnis genommen und besprochen. Angebot wurden bei verschiedenen Werken angefordert. Die Leistungsprogramme der zu beschaffenden Lokomotiven wurde beschrieben. Ein interessanter Einblick in die damalige Betriebsabwicklung.

Zum 1. Juli 1955 konnte der Mitarbeiter in der Hauptwerkstatt eine Zusammenstellung der Angebote dem Vorstand vorlegen. Allerdings wurden bei fast allen Anbietern lange Lieferzeiten genannt. Die Programme, aus denen die Angebote abgeleitet wurden, waren in den meisten Fällen noch in den Konstruktionsabteilungen und nicht finalisiert.

Wenige Tage später wurde eine Mitteilung mit dem Hinweis „eilt“ an die entsprechenden Stellen der WLE verteilt. aber auch anstehende Herausforderungen wurden in diesem Schreiben genannt. Getriebe, die eine Leistung von 1000 oder mehr PS übertragen können, waren nocht nicht auf dem Markt. Und auch die noch nicht endgültig vorliegenden Konstruktionen werden benannt.

Noch im gleichen Monat besuchten die Vertreter der verschiedenen Hersteller die WLE und sprachen bei den eingebundenen Stellen und Entscheidern vor. Allerdings wurde der letzte Satz des Erstellers dieser Aktennotiz sehr bald von eben diesen Entscheidern nicht unterstützt. Noch im August wurden die beiden aus Kiel angebotenen Maschinen bestellt. MaK hatte zu dieser Zeit einige Vorführlokomotiven produziert und weitere Loks in den Werkhallen in der Fertigstellung ohne sie bereits verkauft zu haben. So konnte relativ schnelle geliefert werden.

Im August wurden die Fördermittel für die Rationalisierung beantragt und auch von der Landesregierung zugesagt.

Am 28. Oktober 1955 wurde Fabriknummer 500 022 vom Typ 600 D an die WLE ausgeliefert und abgenommen. Die Lok wurde sofort im Rangierdienst in Münster Ost als VL 0611 eingesetzt.

Die zweite Lok sollte am 25. November 1955 unter Fabriknummer 500 023 bei der WLE eintreffen. Sie sollte als VL 0612 eingereiht und von Beckum Ost aus eingesetzt werden.

Aber für den Tag der Auslieferung wurden mit Fahrplananordung Nr. 122 Probefahren zwischen Münster und Neubeckum angesetzt um die Wirksamkeit von zweimotorigen Lokomotiven zu prüfen. Es wurde die neue Lok noch ohne Anschriften für diese Fahrten eingesetzt.

Die Ergebnisse konnten wie folgt zusammengefasst werden.

Prw 1337 vor der Abfahrt in Neubeckum, an der Zugspitze die Personenwagen vom P 141, die von VL 0611 als Prw 1336 schon von Münster herangebracht hatte.

Die Probefahrten wurden in einem Dokument im Dezember 1955 beschrieben und weitere Schritte angekündigt.

Zum Jahresende wurde die Beschaffung weiterer Diesellokomotiven genauer beschrieben. Was daraus folgte ist in den Beiträgen über die einzelnen Baureihen nachzulesen.

Henschel 25100 im Testeinsatz in Warstein (Foto: Netztfund)

Noch im Winter 1956/57 muß dann noch das Einzelstück 25100 aus dem Henschel Werk bei der WLE im Probeeinsatz gewesen sein. Ein Auftrag ist aber daraus nicht entstanden.

Quellen:
Sammlung Christoph Riegel
Archiv WLE, Lippstadt und Soest
Roland Hertwig, Die Baureihe V 65, EK-Verlag 2011
Diverse Netzfunde