Vorwort
Wohin fuhren früher die Güterwagen im Einzelwagenverkehr? Neben den Kunden, die an der Ladestraße im Bahnhof ihre Ware empfangen oder verladen haben gab es eine Vielzahl von sogenannten Privatanschlüssen. Ein Werk, Betrieb oder Lager hatte eine Weiche und ein Gleis, auf dem die Wagen bereitgestellt wurden. Auch bei der WLE gab es einige dieser Anschlüsse. Viele eigenen sich für den Nachbau auf einem Modul.
Westfalia
Die große Besonderheit bei diesem Anschluß war die Quellenlage. Es gab ein Foto, einen Gleisplan und Hinweise in den Fahrplänen. Was aber produziert, gelagert oder versendet wurde war nicht bekannt. Nach meinem Aufruf hier auf der Seite hat Nils Lange mit den Recherchen vor Ort begonnen, herzlichen Dank dafür. Folgendes hat er herausgefunden:
Für den Bebauungsplan Nr. 124 der Stadt Brilon wurde auch ein Altlastengutachten durch die PTM Dortmund mbH am 28. Feb 2007 erstellt. Der B-Plan ersetzt den Plan Nr. 43 „Möhnestraße-Nehrdener Weg“ im Bereich der ehemaligen Spatmühle „Grawe“ an dem Gelände der ehemaligen Schienentrasse der WLE. Die Nennungen Spatmühle und Grawe brachten die ersten Ergebnisse. Feldspat ist ein kristallartiges Mineral, welches im Raum Brilon in einigen keinen Tiefbaugruben gewonnen wurde. Im zerkleinerten Zustand (gemahlen) wird es u. a. für die Porzellan Herstellung seit Jahrhunderten verwendet. Somit war eine Spatmühle denkbar. Die weitere Suche belegte im Altlastengutachten für die entsprechenden Flurstücke für den Zeitraum 1951 bis 1972 ehemalige Branchen von Glas und Keramik, Bergbau und Energie, Handel und Lagerung, Fahrzeugbau. Als Besitzer dieser Flurstücke wurden u. a. Westfalia Grawe und Morgenritt; Westfalia Terrazzo, Grawe und Sohn; Schuhmacher GmbH und Josef Grawe aufgeführt.
Die Suche nach den Unternehmen brachte im Reichstelefonbuch von 1938 (Digitalisat der Humboldt Uni Berlin) den Eintrag:
Westfalia, Terrazzo-, Stein- und Edelputzwerke Grawe und Morgenroth, Brilon
Und diese Einträge im Briloner Adressbuch

von 1940
von 1959 / 1960

Nun ist wohl eindeutig geklärt, dass in dem unten abgebildeten Gebäude Feldspat aus der Umgebung gemahlen wurde und zu Terrazzobestandteilen und Edelputzen gemischt, verpackt und verladen wurden.
Interessant ist zum einen die räumliche Nähe zu einem sehr ähnlichen Betrieb in Heidberg (siehe <bald> dort) und zum anderen die Aufarbeitung von unklaren Quellen im Team. So stelle ich mir Zusammenarbeit auf den CRR-Seiten vor. Danke Nils!


Interessant ist die Lage der Anschlußweiche direkt vor dem Einfahrsignal.

Die Bedienung erfolgte durch die Ortslok der DB von Brilon Stadt aus. Ob wirklich jeden Tag zwei Mal bedient wurde ist nicht überliefert.

Ein Anschluß auf der Privatbahn, der von der DB bedient wird.
Quellen
Sammlung Riegel
Recherche Nils Lange
Sauerlandbahnen.de
www.facebook.com/kohlestahlbier1516/posts/kalkspatgrube-gr%C3%BCberg-iidie-betriebszeit-dieser-kleinen-grube-ging-von-1954-1985/3043297309088385/