
Bereits am 15. November 1945 wurden erste Gespräche zwischen Reichsbahn und WLE geführt, um die Anbindung der Strecke von Neubeckum an den Hauptbahnhof zu realisieren. Alte Pläne aus den Jahren seit der Eröffnung 1903 konnten verwendet werden. Es sollte ein neuer Bahnsteig 5 an der Ostseite des HBf entstehen, der nur durch die WLE benutzt würde. Zur Finanzierung dieser Baumaßnahme sollten die Rücklagen aus den seit den 1930er Jahren aufgeschobenen Modernisierungen herangezogen werden. Am 16. März 1948 wurden die neuen Pläne durch die Reichbahn und kurz später auch durch die Bahnaufsicht bestätigt. Allerdings vielen die Rücklagen von einigen Millionen Reichsmark der Währungsreform zum Opfer.

Trotz der nun fehlenden Mittel wurde an der Einführung in den Hauptbahnhof festgehalten. Am 6. Juli 1948 begann der Bau der erweiterten Unterführung über die Hafenstraße, am 10. Februar 1949 der Bau der erforderlichen Stützmauer auf dem Gelände des „Beckumer Bahnhofs“.

Ab diesem Tag endeten nun endlich die Personenzüge der WLE im Hauptbahnhof Münster.
In der Phase der Planung wurde geprüft, ob auch die längsten Schüler- und Arbeiterzüge an den neuen Bahnsteig passen würden. Mit 170 m Länge war das möglich.



Das Gleis der WLE endete an einem Prellbock in Gleis 107, eine Durchfahrt war nicht vorgesehen.

Dieses Gebäude wurde mehrfach vergrößert und umgebaut, unter anderem wurde ein großer Verkaufsraum für Zeitschriften geschaffen, in dem es alle nahmhaften Publikationen für Eisenbahn- und Modellbahnfreunde gab.

Bei dem rechts im Bild sichbaren Gebäude befand sich um „Untergeschoß“ auf der Ebene der Straße die Expressgutabfertigung. In den oberen Etagen waren Büros für die Signalmeisterei und das Bww (Betriebswerk für Personenwagen). Die Gleise des Bww wurden von der WLE über Gleis 111 umfahren und waren somit nicht mehr direkt mit dem Bahnhof verbunden. Dieser Umstand wurde später geändert (s. u.).

Auf dem Luftbild von 1954 sind noch viele Narben der Kriegszerstörung vor dem Osteingang vorhanden. Eine Neuordnung der Flächen hat noch nicht stattgefunden

Nicht nur die vielen Zugfahrten verkehrten zwischen Münster Ost und Hbf.

Viele beginnende und endende Züge erforderten auch einige Rangierfahrten. Hier ein Auszug aus dem Buchfahrplan Sommer 1961 (Sammlung Riegel)

Exkurs: Beförderungszahlen

Daß die Bahnsteige auch für lange Züge ausreichend sein mussten zeigen diese Unterlagen.
Aus dem Sommer 1954 ist eine Zählung der Reisenden erhalten geblieben. In den Morgenstunden kamen in Münster an:
6.35 Uhr P 141 – 233 Reisende
7.32 Uhr P 143 – 682 Reisende
8.12 Uhr Pt 1633 – ?
9.19 Uhr Pt 147 – 147 Reisende
(Lokumlaufplan Sammlung Riegel)
Die Rückreisen verteilten sich ab Mittag über mehrere Stunden auf die Züge. Erst die klassischen Schülerzüge zwischen 12 Uhr und 14 Uhr, dann am Abend Züge, die in ihrer Fahrplanlage über die nächsten Jahrzehnte gleich bleiben sollten.
17.22 Uhr P 168 – 348 Reisende
18.07 Uhr P 170 – 265 Reisende
19.16 Uhr P 174 – 228 Reisende
(Lokumlaufplan Sammlung Riegel)

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Aufgeräumter und neu gestaltet zeig sich das Umfeld des Osteingangs 1961. Rechts vor der neu entstandenen Ladenzeile ist ein Busbahnhof eingerichtet. Die vielen parkenden Pkw sind auffällig.

Das Stumpfgleis am Ende des Bahnsteigs wurde auch zum zwischenzeitlichen Abstellen von Triebwagengarnituren verwendet.

Der klassische Triebwagen der WLE am Bahnsteig 5, jetzt als Gleis 113 bezeichnet.


1968 hat der Busbahnhof für die Überlandlinien seinen Platz auf dem nun Bremer Platz genannten Gelände gefunden. Die Bebauung ist noch geschlossener, der Wasserturm wurde abgebrochen.



Zum Ende der 1960er Jahre wurde das WLE Gleis ganz an die östliche Seite des Bahnhofs verlegt. Damit waren die Abstellgleise für DB Personenwagen wieder besser für die DB ereichbar.



Am 31. Mai 1975 verlies der letzte WLE Triebwagen den Hauptbahnhof Münster. Am 27. September 1975 der letzte lokgezogene Personenzug. Damit war dieser Zug auch der letzte Personenzug auf der WLE. Bei beiden Fahrten konnte ich persönlich teil- und abschiednehmen.
Quellen
Sammlung Christoph Riegel
Archive WLE, Lippstadt und Soest
Kückmann, Beyer, Von Warstein bis ins Münsterland, DGEG Medien
Diverse Netzfunde
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