Münster (5.1)

Vorwort

Einen Hauptbahnhof gab es in der Stadt Münster erst seit dem 1. Oktober 1890. Dieser entstand durch die Zusammen- und Höherlegung der bisherigen Bahnhöfe aus der vor-Staatsbahnzeit.

Am 21. Nov 1899 wurde die königliche Genehmigung für den Bau der WLE Strecke erteilt. Zu diesem Zeitpunkt waren die Verhandlungen über die Streckenführung und den Anschluß in Münster noch nicht abgeschlossen. Im Sommer 1902 wurde klar, dass es zu einer Mitbenutzung des Hauptbahnhofs nicht kommen würde, obwohl dies in der Konzessionsurkunde so festgeschrieben war. Es wurden verschiedene Pläne der Stadt und der Preußischen Eisenbahn vorgelegt.

Der Personenbahnhof

Der Personenbahnhof vor dem Osteingang, Planung von 1902 (Stadt Münster WLE Fach64, Nr. 37b-187, Sammlung Stach)

Eine Planung sah einen Personenbahnhof direkt vor dem „Hintereingang“ des Hbf vor. Auf einigen, zu dieser Zeit schon aufgeteilen und bebauten Grundstücken. Das wurde natürlich abgelehnt. Im Übrigen plante die Staatseisenbahn den Hauptbahnhof „baldigst“ zu erweitern.

So wurde ein Personenbahnhof für die WLE an der Kreuzung Hafenstraße / Albersloher Weg mit gleichem, nur gespiegeltem Gleisplan vorgesehen. Einige Straßen mussten in Teilen verlegt werden, aber so konnten schließlich die Pläne genehmigt und umgesetzt werden.

Ausführungsplan 1902 (Stadt Münster WLE Fach64, Nr. 37-194, Sammlung Stach)

Die WLE ließ ein ansprechendes Empfangsgebäude errichten.

Der Prellbock am Ende der Strecke, Empfangsgebäude und Straßenbahn (Foto: Archiv WLE)
Kurz vor der Eröffnung 1903 (Foto: Archiv WLE)
Luftbild des „Beckumer Bahnhofs“ in Münster um 1905 (Archiv WLE)

In den Stadtplänen der damaligen Zeit wird der WLE Bahnhof auch als Beckumer Bahnhof bezeichnet. Auf den Grundstücken zwischen Albersloher Weg und der Hafenstraße ist auf dem Luftbild nur das „Hansa Haus“ bereits errichtet. Das Empfangsgebäude der WLE liegt etwas versteckt hinter diesem.

Plan 1922 für die Einrichtung Gleis 39 (Archiv WLE)

Für den Neubau des Gleis 39 im Güterbahnhof der Reichsbahn wurde eine Wand, erst aus Schwellen, später aus Beton errichtet. Die erst vorhandene Dammaufschüttung wurde schmaler.

Plan 1928 für die Errichtung des Stellwerks Mo der Reichbahn (Archiv WLE)

Am 14. Juni 1928 bat die Reichsbahn die WLE um die Möglichkeit für 3 Wochen das im Plan rot gezeichnete Gleis für die Errichtung von Gerüsten für den Bau des neuen Brückenstellwerks Mo benutzen zu dürfen. Somit sind nachfolgende Fotos nicht nur durch die Beschaffungsdaten der Fahrzeuge einzuordnen, sondern auch durch das neue Stellwerk.

VT 2 am Bahnsteig im Personenbahnhof, 1928 (Archiv WLE)
Der „Fliegende Beckumer“ DT 1 an gleicher Stelle um 1935 (Archiv WLE)

Im Hintergrund sind sowohl das Brückenstellwerk Mo zu sehen, als auch die neue Triebwagenhalle (s. u.) und die neue „Banhsteighalle (-überdachung).

1928 wird auch ein neuer, zweiter Bahnsteig geplant (Archiv WLE)
Obwohl Juni 1929 datiert liegen zwischen diesen beiden Plänen sicher mehr als 12 Monate (Archiv WLE)

Der Fahrplan ab 15. Mai 1930 von Neubeckum (links) nach Münster (rechts mit Anschlüssen). Die Auswirkungen der Wirtschaftskriese sind noch an den wenigen Zugfahrten zu erkennen. Ein früher Personenzug ab Sendenhorst (149) und ein Personenzug von Warendorf (151) sind die beiden Ankünfte vor 8 Uhr. Viele Einpendler und Schüler nutzen die Züge damals noch nicht.

Der Triebwagen fährt nach Ennigerloh und Zurück (T190 und T191). Der Nahgüterzug bedient alle Stationen ab Wolbeck und ist 4 Stunden für 35 km unterwegs. (Kreisarchiv Warendorf)

Der Plan für den Nachmittag enthält 2 Abfahrten nach der Mittagszeit und einen Personenzug der nur bis Wolbeck und zurück fährt. Der T 193 schein eine Art Eilzug zu sein, es sind keine Haltezeiten auf den Unterwegsbahnhöfen eingetragen.

Der Zug 604 ist ein Personenzug mit Güterbeförderung und ab Sendenhorst reiner Güterzug.

Die rot eingetragenen Änderung sollen ab dem Herbstfahrplan gelten und wurden mit dem Rat der Stadt Sendenhorst heftig diskutiert. (Kreisarchiv Warendorf)

Ein Überblick 1938 mit EG und Triebwagenhalle (Archiv WLE)
Der Zustand 1935 (Zeichnung Bruland)

Gebäude

Ansicht von der Straßenseite in der Planungsphase 1903 (Archiv WLE)
Grundriss EG Stand 1920 (Archiv WLE)

Für die Abstellung der 1928 und 1935 gekauften Triebwagen wurde in Münster eine Triebwagenhalle gebaut. Zuerst wurde der Plan des Lokschuppens in Delbrück an der Sennebahn als Vorbild genommen, dann aber eine sehr moderne und schon fast dem Bauhaus Stil entsprechende Halle mit großen Fensterflächen errichtet. Im Krieg teilzerstört wurde diese als Lokschuppen bis 1964 benutzt und dann, nach Abbau der Gleise an die Stadt Münster verkauft, die darin noch über Jahre einen Teil ihrer Müllfahrzeuge unterstellte.

Zeichnung VT Halle

Modell

Ein kleiner Endbahnhof einer Privatbahn in der großen Provinzialhauptstadt. Keine Hintergrundkulisse ist nötig durch den Damm zur Reichsbahn. Ein Vorbild für „Holstedt – Kleinbahnhof“?

Quellen

Sammlung Christoph Riegel

Archive WLE, Lippstadt und Soest

Kückmann, Beyer, Von Warstein bis ins Münsterland, DGEG Medien

Kuhne, Eisenbahndirektion Münster, Neddermeyer

Diverse Netzfunde