Vorwort
Wohin fuhren früher die Güterwagen im Einzelwagenverkehr? Neben den Kunden, die an der Ladestraße im Bahnhof ihre Ware empfangen oder verladen haben gab es eine Vielzahl von sogenannten Privatanschlüssen. Ein Werk, Betrieb oder Lager hatte eine Weiche und ein Gleis, auf dem die Wagen bereitgestellt wurden. Auch bei der WLE gab es einige dieser Anschlüsse. An einigen Orten wurde ein Gewerbe- oder Industriegebiet über ein Stammgleis erschlossen. Von diesem zweigten dann die Privatanschlüsse ab, oder die Kunden fertigten ihre Wagen direkt auf dem Stammgleis ab. Für den Nachbau auf einem Modul sicher zu groß, aber als zusammenhängendes Gewerbegebiet im FREMO geübte Praxis.

Die Anschließer südlich vom Albersloher Weg




Gleicher Blick im Juni 1990, die Weiche zur Gemüsevereinigung wurde schon ausgebaut und das Gelände abgeräumt (Foto: Riegel)
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Westfälische Gemüsebauvereinigung (1)

Zu diesem Anschluß ist derzeit nichts weiter bekannt. Im Einwohnerbuch von 1962 ist diese Firma nicht mehr verzeichnet.
Rhenania Ossag / Shell (2)

Genaueres ist über diesen Anschließer nicht bekannt. Ein Tanklager befand sich wohl nicht auf dem Gelände.
Hupfer (3)
Gegründet in Zeitz und seit 1905 in Münster ansässig wurde das Unternehmen zu einem führenden Drahtflechter in Deutschland.
Diversifizierung in Großküchentechnik und Regalsysteme machten einen Umzug 1980 nach Coesfeld notwendig.

PEBÜSO / Büscher & Sohn (4)

Architektur, Hochbau und Herstellung von Beton Fertigteilen Waren die Inhalte dieser Firma. Der Rohstoff Kies für die Betonteile wurde über den Kanal angeliefert, Zement für die Produktion zeitweise in Spezialwagen über die WLE von den Zementwerken im Raum Ennigerloh.




Caspar Hessel (5)

Betonsteine sind auch das Produkt der Firma Caspar Hessel.
1878 in Wesel gegründet, seit 1919 auf dem Gelände am Hawerkamp ansässig.
Auch hier erfolgte die Anlieferung von Sand und Kies mit dem Schiff.



Mein Onkel arbeitete hier. Noch gut kann ich mich an die langen Reihen von Rlmm56 und Rlmm58 erinnern, alle beladen mit Beton – Winkelsteinen für Bahnsteige. „Die gehen alle nach München, für die Olympia S-Bahn“ hieß es damals. Fotos? Leider keine.

August Peters (6)

Im Jahr 1901 wurde der sog. Petershafen von dem Unternehmen eröffnet. 1913 Übernahm die Stadt Münster das Hafenbecken und betrieb es als Stadthafen II weiter. Die Spedition Peters war für die Bahnamtliche Rollfuhr in Münster zuständig und mit ihren blauen, pferdegezogenen Umzugswagen bis in die 1970er Jahre in der Stadt unterwegs. Natürlich gab es auch (blaue) motorgetriebene Lastwagen. Ein Großteil der Fracht wurde an der Stückguthalle im Güterbahnhof an der Hafenstraße umgeschlagen. Aber auch von den Lagerhallen am ehemals eigenen Hafen wurden Ladungen entgegengenommen und in die Stadt zur Auslieferung gebracht.


Auf einem Luftbild aus dem 1930er Jahren sind noch die im Krieg zerstörten ursprünglichen Lagergebäude der Spedition zu sehen. Und auch der Speicher der Firma Weglau und die Holzhallen der Firma Meents & Hölscher sind noch vorhanden. Auf diesen Flächen wurde nach dem Krieg u. a. die Kranbahn von Hessel errichtet.

Fritz Kiffe (7)


Fritz Kiffe war seit 1893 Vertragshändler der Marken Wanderer und Opel, zunächst für Fahräder, später auch für Automobile. 1922 wurden die Kiffe Fahrzeugwerke gegründet und in den Jahren 1927 bis 1929 das repräsentative Autohaus an der Ecke Albersloher Weg / Am Hawerkamp errichtet.
Nach dem Krieg wurde auf dem vorhandenen Gelände auf Weisung der Allierten mit der Ausbesserung von Eisenbahnwaggons begonnen. Dieser Betriebszweig wurde zusammen mit dem Fahrzeug- und Behälterbau zu Beginn der 1960er Jahre in ein neues Gewerbegebiet an der Siemensstr. verlegt. (Foto: Kiffe)

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Quellen
Sammlung Christoph Riegel
Archive WLE, Lippstadt Und Soest
Kückmann, Beyer, Von Warstein bis ins Münsterland, DGEG Medien
Für die Luftaufnahme des Katasteramtes der Stadt Münster: „Vervielfältigt mit Genehmigung des Vermessungs- und Katasteramtes der Stadt Münster vom 26.01.2011, Kontollnummer 62.01.E 47273“
Stadt Münster: Das schöne Münster, Sonderheft „50 Jahre Stadthafen Münster“, Werbe- und Verkehrsamt der Stadt Münster 1949
Einwohnerbuch der Stadt Münster 1962 / 1963, Verlag des Einwohnerbuches der Stadt Münster Westf., 68. Jahrgang
Einwohnerbuch der Stadt Münster 1950, Digitalisat im Stadtarchiv Münster über Archive NRW
Der Hafen von Münster, Begleitbuch zur Ausstellung 1999/2000
Stadtmuseum Münster, Münster auf alten Postkarten, Vom Aasee zum Hafen, Schollmeier/Thier, Aschendorff Verlag
Hp1 FREMO 4/1990, Seite 26 und 27, Werktor und Zaun der Firma Büscher
Drahtwort Baubüscher – Webseite über die Firma PeBüSo