Vorwort

Wohin fuhren früher die Güterwagen im Einzelwagenverkehr? Neben den Kunden, die an der Ladestraße im Bahnhof ihre Ware empfangen oder verladen haben gab es eine Vielzahl von sogenannten Privatanschlüssen. Ein Werk, Betrieb oder Lager hatte eine Weiche und ein Gleis, auf dem die Wagen bereitgestellt wurden. Auch bei der WLE im Bahnhof Münster Ost gab es einige dieser Anschlüsse. Viele eigenen sich für den Nachbau auf einem Modul.
Gaswerk / Halle Münsterland
Noch vor der Eröffnung der WLE Strecke wurde 1901 das Gaswerk am Albersloher Weg gegründet. Auf alten Gleis- und Stadtplänen ist das Gleis vom städtischen Hafengleis zum Gaswerk zu sehen. Dieses kreuzte ab 1903 das WLE Gleis auf der südlichen Seite des Stellwerks. 1905 wurde ein weiterer Gashochbehälter auf dem Gelände errichtet um die dauerhafte Versorgung der Stadt sicherzustellen.
Im Jahr 1917 wurde der Betrieb des Gaswerks eingestellt. Die Stadt wurde nun durch Gas von der Kokerei Radbod in Hamm über eine Rohrleitung beliefert. Nur die Zwischenlagerung auf dem Gelände blieb in den Gasometern bestehen.

Ab 1922 wurde das abgeräumte Gelände von einer Genossenschaft für den „Westfälischen Zuchtviehmarkt“ verwendet. Es wurden Auktionshallen errichtet und ein Anschluß an den Bahnhof der WLE hergestellt. Dieser Gleisanschluß wurde mit Viehrampen für 108.000 Reichsmark von der Genossenschaft bezahlt.

Auf dem noch freien Platz wurde durch die Stadt Münster 1926 die Veranstaltungshalle „Halle Münsterland“ errichtet. In dieser und den Auktionshallen fanden jährlich rund 20 Zuchtviehauktionen statt. Der An- und Abtransport der gehandelten Rindviecher und Schweine geschah durch die Eisenbahn.
Wegen angeblicher Grundstücksverletzung führte die Firma Hupfer (siehe 3.1) mit der Stadt einen Prozess über 10 Jahre bis 1935.

In den 1950er Jahren zog die Zuchtviehgenossenschaft auf ein neues Gelände im Norden der Stadt um und die Halle Münsterland wurde zur reinen Veranstaltungshalle. Die Gleise an der alten Viehrampe blieben zum Teil noch für An- und Abtransport von Großproduktionen erhalten. Als letztes war Gleis 10 noch vorhanden.

Schocher

Als großer Kohlenhändler im Ruhrkohle Vertrieb siedelte sich Schocher kurz nach dem Krieg an der alten Ladestraße (Gleis 4 & 7) im Bahnhof an. Nicht nur feste Brennstoffe wurden auf den Flächen gelagert, auch einige Tanks für Heizoel wurden errichtet. Sogar eigene Kesselwagen waren unterwegs von den Raffinerien nach Münster. In den 1970er Jahren wurde auch das von der WLE nicht mehr benötigte Gebäude der Güterabfertigung übernommen und bezogen.
Im Hintergrund zu sehen: grüne Kesselwagen der Frima Schocher mit dem typischen Firmenlogo: der feuerspeienden Schlange, August 1967 (Foto: Löttgers, Archiv WLE)

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Gallas, später Kux und Krahn / Aral
Die Unterlagen zu diesem ersten Anschließer in Münster Ost füllen mehr als ein Drittel der Akte N15-466 im Kreisarchiv Soest.
Bereits im Jahr der Eröffnung 1903 geantragt der Spediteur Gallas einen Gleisanschluß.

Nach längerer Verhandlung wird das Gleis 1906 gebaut und die Abnahme erfolgt am 27. November 1906.

Bereits 1908 gerät die Firma Gallas in eine wirtschaftliche Schieflage und das Grundstück und der Gleisanschluß werden zuerst gepfändet und dann versteigert. Einen Teil der Fläche erhält Wilhelm Hachenberg in Dortmund.
Ein paar Jahre liegt der Anschluß unbenutzt, im Jahr 1912 wird er verlängert und erhält einen Unteranschließer, die Metallfabrik Mertens.


1920 werden zwischen Mertens und der WLE direkte Zustellung von Stückgutwagen an den Anschluß vereinbart, Rohstoffe werden entladen, Fertigprodukte verladen.
Inmitten dieser Betriebe liegt seit vielen Jahren das Anwesen von Josef Jaspert. Es ist schon auf einem Stadtplan von 1903 verzeichnet. Um 1923 wird das dreieckige Grundstück am Ende des Gleises an Willy Kux, einem Kohlenhändler aus Dortmund verpachtet, der dort einen Brennstoffhandel einrichtet. Ab 1928 wird unter Kux und Krahn firmiert.
Nach dem Krieg errichtet Aral BV auf dem Grundstück ein Lager für Heizoel und andere Mineraloelprodukte.
Büscher
Auch die Grundstücke südlich der WLE Anlagen gehörten dem Bauunternehmer Büscher (siehen auch 3.1). Im Rahmen der Umbauarbeiten im Bahnhof in den 1940er Jahren wegen der neuen Kanalbrücke und der damit verbundenen Höherlegung der Gleise wurde zwischen beiden Betriebsteilen ein Verbindungstunnel angelegt.

Auf den Gleisen auf dieser Seite wurden die WLE internen Zementtransporte für Büscher angeliefert.
Bernsmann
Dieser Altmetallhändler ist der letzte in Münster hinzugekommene Anschließer. Täglich wurden O-Wagen bereitgestellt, beladen und bei der WLE verwogen. Nicht selten fuhr man dann nach Bernsmann zurück, um die Ladungen etwas zu erleichtern.
Westfälische Centralgenossenschaft (WCG)
An dem sich durch die Kanalverlegung ergebenden kleinen Kanalarm plante die WLE in den 1940er Jahren einen eigenen Hafen anzulegen. Aber durch die zich verzögernden Arbeiten am Kanal und das Kriegsende unterblieb die Umsetzung dieser Planungen.

Die WCG konnte aber die frei bleibenden Flächen gut für ihre Siloanlagen und den Futtermittelumschlag am Kanal nutzen. Im Dezember 1956 begannen die Bauarbeiten und schon im nächsten Jahr konnte die Eröffnung der ersten Gebäude und der Gleisanlagen gefeiert werden.

Das Rangiergerät der WCG auf der Landseite der Silos diente dem Verschub der Wagen unter dem Ladetrichter (Foto: Stöver)
Mit den Jahren kamen immer mehr Gebäude und Silos hinzu.

Noch ein Überblick auf einem Luftbild von 1968. Oben Rechts in der Ecke das helle Dach des neuen Lokschuppens. Nr. 1 der Anschluß Aral, Nr. 2 Bernsmann, Nr. 3 Büscher, Nr. 4 WCG Landseite, Nr. 5 WCG Wasserseite
Weiken & Teerschotter
Diese beiden Anschließer wurden schon im Beitrag „Steine – auf Bf. Münster Ost“ am 10. Juli 2025 beschrieben.
Quellen
Sammlung Christoph Riegel
Archive WLE, Lippstadt und Soest
Kückmann, Beyer, Von Warstein bis ins Münsterland, DGEG Medien
Diverse Netzfunde
Für die Luftaufnahme des Katasteramtes der Stadt Münster: Vervielfältigt mit Genehmigung des Vermessungs- und Katasteramtes der Stadt Münster vom 10.02.2026, Kontrollnummer: 6222-26-00434