Vorwort

Am 21. Nov 1899 wurde die königliche Genehmigung für den Bau der WLE Strecke erteilt. Zu diesem Zeitpunkt waren die Verhandlungen über die Streckenführung und den Anschluß in Münster noch nicht abgeschlossen. Mit den Besitzern der benötigten Grundstücke (Mühlenbesitzer Kiesekamp, der Stadt Münster als Besitzerin der Hafenbahn und der Staatsbahn als Besitzerin der Grundstücke der ehemaligen Venloer Eisenbahn) konnten im Sommer 1902 die abschließenden Verträge unterzeichnet werden. Damit waren nicht alle offenen Fragen bezüglich des Wagenübergangs in Münster geklärt, aber die Bauarbeiten konnten vorangehen.
Am 1. Oktober 1903 wurde schließlich die Bahn zwischen Neubeckum und Münster als späteste und letzte Strecke der WLE eröffnet.
Bahnhof

Die Gleisanlagen wurden nicht gemäß dieser Planung ausgeführt. Die wirkliche Gleislage ergibt sich aus den Plänen für die Anschließer in Münster Ost (siehe Beitrag „Münster 4.2“). Am oberen rechten Planrand ist der Anschluß zum Gaswerk und zum Stadthafen zu sehen. Für die Absicherung der hier vorhandenen 172 m gemeinsamer Strecke wurde in Münster das erste Stellwerk der WLE errichtet. Hierzu gibt es in den folgenden Beiträgen ausführlicheres.
Die Gleisanlage in Münster entwickelte sich entsprechend der Anforderungen. Zuerst war kein Wagenübergang und keine Abfertigungsbefugnis vorhanden. Als 1912 der Spediteur Peters einen Anschluß für seinen Betrieb an seinem eigenen Hafenbecken (siehe Münster 3.1) beantragte, wollte zuerst die Staatsbahn vom dem von ihr bedienten Anschluß Gaswerk ein Gleis verlegen. Aber auf Betreiben der Stadt wurde schließlich 1919 der WLE genehmigt, ein Gleis entlang der Straße „Am Hawerkamp“ zu bauen und an dieses verschiedenste Kunden anzuschließen.
Durch die Zunahme des Wagenaufkommens wurde schließlich auch ein schon länger praktizierter Übergang der Wagen nach dem Güterbahnhof über die Hafenbahn bestätigt. Die Gleisanlagen wurden über den zu Anfang noch vorhandenen Weg hinter dem Lokschuppen bis zur Kanalbrücke verlängert.

Dieser Gleisplan gibt den Zustand wieder, wie er sich nach dem Umbau der Kanalbrücke 1942 / 1943 darstellt. Signalanlagen sind leider nicht mit eingezeichnet.

Auf den Gleisen der Viehrampe stehen Güterwagen und auch die Gleise 14 und 15 sind gut belegt. Einen Lokschuppen gibt es noch nicht wieder in Münster Ost, nur eine Kohlenbühne ist vorhanden. Auf Gleis 16 an der Kohlenbühne ist eine Personenzuggarnitur abgestellt. Auch die langen Wagen in Gleis 2 vor der DKW am Stellwerk können Personenwagen sein.

Im Jahr 1954 werden die Schranken am Bahnübergang „Industrieweg“ eingerichtet. Für den Güterbahnhof Münster Ost gibt es vor der neuen Brücke über die Umgehungsstaße ein Einfahrsignal. Für die Einfahrt in den Hbf Münster steht im Güterbahnhof das Singal J, beides sind Formsignale. Zu Lichtsingalen werden sie im Dezember 1958 umgebaut. Die fünf Formsperrsignale rund um den gemeinsam Gleisabschnitt mit der Hafenbahn bleiben bis zum Rückbau 1984 so erhalten. So lange blieb auch das Stellwerk im Dienst.
Für die Ausfahrt nach Neubeckum gibt es keine Signale. Um das Ausfahrsignal am WLE – Bahnsteig im DB Stellwerk Mo auf Fahrt stellen zu können, mußte die Erlaubnis des Zugleiters in Beckum vorliegen.

Viel Platz in Münster Ost, es ist ein Samstag. Ob die Kesselwagen in Gleis 14 auf Ausbesserung bei Kiffe warten? Vorne das wenig befahrene Gleis zur Viehrampe / Halle Münsterland.

Verstärkungswagen fanden nicht immer im alten Personenbahnhof Platz.

Viel weniger Güterwagen im Bahnhof gegenüber 1954, ein Lokschuppen ist noch immer nicht vorhanden. In Gleis 14 und 15 stehen weiterhin viele (Kessel?-) Wagen. Neu hinzugekommen ist das Gleis zur Centralgenossenschaft (WCG) oberhalb der Ausfahrtskurve. Es stehen viele Busse auf dem Hof vor der Garage der Kraftverkehr Westfalen (KVW).

Auf dem Bild ist der Pt 1649 bei seiner Durchfahrt in Münster Ost von Lippstadt kommend zu sehen. Der Umlauf wird an diesem Tag von VT 1021 (vorne) und VS 1522 gefahren. DL 0032 hat die Wagen vom Ng 601, Ankunft in Münster Ost um 15.10 Uhr, vor die bereits bereitgestellten Ausgangswagen aus dem Bahnhof auf Gleis 3 rangiert.


Nun gibt es einen Lokschuppen. Am Gleis zur WCG hat Bernsmann seinen Schrottplatz eingerichtet und Büscher nutzt die Restfläche im Dreieck für die Lagerung von Fertigprodukten. Am KVW-Platz stehen einige Otmm (Ed) Wagen mit Schotter, die wohl noch bei Teerschotter vom Streckengleis entladen werden sollen (siehe „Steine – auf Bf. Münster Ost“).

In den Jahren zwischen 1965 und 1970 haben oft Dampfloks die Ortsrangierlok in Münster vertreten. Alle drei noch vorhandenen 1´C 1´ Loks kamen zum Einsatz.


Aber eigentlich waren seit 1956 die „kleinen MaK“ der 600 PS Reihe die für Münster vorgesehenen Ortsloks. Und nach der Ausmusterung der letzten eigenen Dampfloks 1970 mußten von anderen Bahnen Maschinen aushelfen wenn Bedarf war. So auch vom 30. September 1972 bis zum 15. August 1973 die V 22 der Köln-Bonner-Eisenbahn (KBE).


Oder auch vom 1. April 1973 bis zum 15. Dezember 1973 die 1200 PS starke V 123 der Teutoburger Wald Eisenbahn (TWE) im Streckendienst zwischen Münster und Neubeckum.

Auf dem Foto oben ist die Bereitstellung des Lr 953 (Leerreisezug) zu sehen. Dieser wird zum Hbf geschoben um vor dort als N 56 nach Neubeckum zu fahren.
Am Zugende ist eine lange Reihe von Güterwagen zu erkennen. Da es ein Werktag /außer Samstag/ sein muß (5 Reisezugwagen) darf die Last für diese Wagen bis 200 to betragen. Diese wird mit den angehängten Wagen bestimmt erreicht.
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Mit Datum vom 20. Februar 1974 wird die Hauptuntersuchung der VL 0651 abgeschlossen. Es erfolgte noch einmal eine Lackierung im alten, klassischen WLE -Blau.

Über Pfingsten 1975 fanden zwischen Münster und Ennigerloh Dampfzugfahrten mit der ELNA BLE 142 aus dem Eisenbahnmuseum Bochum – Dahlhausen statt. Hierzu waren zwei weitere „Wilhelmshafener“ nach Münster abgeordnet worden. Somit ergab sich diese lange Reihe von neun Personenwagen.

Im Oktober 1975 endete der Personenverkehr auf der WLE. Aber das Stellwerk in Münster Ost blieb zeitweise besetzt um die Bedienungsfahrten der DB zum Hafen abzusichern. Auch der Stein- und Zementverkehr lief weiter nach und über Münster.



Nach Umbau der Situation am Bahnübergang (siehe Münster 4.3) wurden 1984 auch einige Gleise zurückgebaut.
Lokschuppen
Der ursprüngliche Lokschuppen in Münster Ost wurde im Krieg zerstört, Fotos von ihm sind bislang nicht bekannt. So stand ab 1944 den Münsteraner Loks nur der Triebwagenschuppen im alten Personenbahnhof zur Verfügung. Erst 1964 wurde der neue Schuppen an der alten Stelle fertiggestellt.





Güterschuppen



Quellen
Sammlung Christoph Riegel
Archive WLE, Lippstadt und Soest
Kückmann, Beyer, Von Warstein bis ins Münsterland, DGEG Medien
Diverse Netzfunde
Für die Luftaufnahme des Katasteramtes der Stadt Münster: Vervielfältigt mit Genehmigung des Vermessungs- und Katasteramtes der Stadt Münster vom 10.02.2026 Kontrollnummer: 6222-26-00434