Vorwort
Wohin fuhren früher die Güterwagen im Einzelwagenverkehr? Neben den Kunden, die an der Ladestraße im Bahnhof ihre Ware empfangen oder verladen haben gab es eine Vielzahl von sogenannten Privatanschlüssen. Ein Werk, Betrieb oder Lager hatte eine Weiche und ein Gleis, auf dem die Wagen bereitgestellt wurden. Auch bei der WLE gab es einige dieser Anschlüsse. An einigen Orten wurde ein Gewerbe- oder Industriegebiet über ein Stammgleis erschlossen. Von diesem zweigten dann die Privatanschlüsse ab, oder die Kunden fertigten ihre Wagen direkt auf dem Stammgleis ab. Für den Nachbau auf einem Modul sicher zu groß, aber…

Wie so oft bei den WLE Unterlagen wechseln die Namen der Anschließer häufig, sind nicht eindeutig oder es kommt zu Schreibfehlern. Bei den oben aufgeführten Kunden kann davon ausgegangen werden, dass diese regelmäßig oder sporadisch Güterwagen zugestellt bekommen haben.
Die Anschließer nördlich vom Albersloher Weg




Gronewig und Meintrup / Vox Kaffee (8)


Im Jahr 1923 wird an dieser Stelle die Kaffee Großrösterei gegründet. Durch gute Werbung wird im Münster- und Emsland bald ein guter Name aufgebaut. Direkt neben den Gleisen wird nach dem Krieg eine Erweiterung der Produktion eingerichtet, ein bemerkenswerter Neubau, siehe Foto auf der Mitarbeiterzeitung weiter unten. Auch auf der anderen Seite des Stammgleises wächst das Kaffeelager.

Im Jahr 1956 wird mit dem Verkauf von gemahlenem und vakumverpackten Kaffee begonnen, etwas neues auf dem deutschen Markt, aber die Hausfrau mahlt lieber noch selber. Über einen besonderen Vertriebsweg, die Direktlieferung an den Einzelhandel, wird das Ausbreitungsgebiet weiter vergrößert. Die Werbeabteilung bringt 1963 das Büchlein „Das Gold der Tropen“ heraus:




Um den Kontakt zu den vielen Verkaufsfahrern im Außendienst aufrecht zu halten wird ab 1968 eine eigene Hauszeitschrift herausgegeben.
Der Versand der Fertigprodukte erfolgt fast ausschließlich über eigene Lastwagen.

Trotz aller werblichen Anstrengungen wird auf dem deutschen Kaffeemarkt nur ein Marktanteil von 1,3 % erreicht. Die Vorgabe der Verkaufspreise durch die „großen“ am Markt veranlassen den Inhaber zum 31. März 1971 die Markenrechte an einen Wettbewerber zu verkaufen und das Werk in Münster zu schließen.
Vössing (-)
Vössing ist ein Kohlenhändler, weitere Informationen liegen nicht vor.



Schlichter (9)


Stahlhandel 1950, eindeutig bei Schlichter (Foto: Netzfund)
Tepper (10)
Seit Eröffnung des Hafengleises ist die international tätige Firma an dieser Stelle aktiv (Werbung: Netzfund)


Bortolussi (11)

Böhne (12)


Deutsche Petroleum / Esso / BP (13)
An der Stelle wo sich auf dem obigen Foto das Förderband befindet war seit 1920 der sog. Petroleumhafen als seitliche Anlegestelle am Dortmund – Ems – Kanal. Die ebenfalls oben zu sehenden hellen Gebäude auf der rechten Seite gehören zu den vielen an dieser Stelle ansässigen Niederlassungen verschiedener Mineralölhändler.
Schlegel & Temme / Falk (14)

Wir bewegen uns jetzt auf der anderen Seite des Stammgleises zurück. Die zugehörige Straßenerschließung erfolgt über die Straße „Am Mittelhafen“.
Eine gute Beschreibung des Betriebsgegenstandes in dieser Anzeige.

Hill / Frugenta (15)
Die Heinrich Hill AG aus Hattingen hatte in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg auch in Münster ihre ersten Lebensmittelmärkte eröffnet. Um diese Märkte mit frischen Waren beliefern zu können wurden rechts und links der Straße Mittelhafen Lagergebäude errichtet.
Nachdem in den 1960er Jahren die Belieferung der Märkte in Münster aus dem Lager in Hattingen aufgenommen werden konnte, wurde das Gebäude zum WLE Hafengleis an den Münsteraner Obst- und Gemüsekaufmann Franz Hagedorn verkauft.
Er verlegte den Firmensitz seines „Frugenta“ Großhandels an diese Stelle.



Frugenta verlagerte seinen Betrieb etwa 1979 an einen neuen Standort mit Anschlußgleis am Höltenweg in Münsters Süden.
Saatröwe (-)
Ein weiterer Kohlenhändler
Teerbau (16)

Flora (-)

Mangels (17)
Ein Glasgroßhandel, ob Belieferungen über die Schiene stattfanden ist nicht geklärt.
Hölscher (18)
Dieser Holzhändler befand sich bis 1946 am Petershafen. Nach Zerstörung der Lagerhallen dort zog man diese Stelle um.
Stadtwerke Münster (19)

Die Stadtwerke erhielten hauptsächlich Kabel auf großen, hölzernen Kabeltrommeln. Auf dem Bild oben sind einige leere Kabeltrommel, beladen auf speziellen Tiefladewagen am Zugschluß zu sehen.
Münstersche Lagerhaus Gesellschaft / WTAG (21)
Ein besonderer Güterkunde befand sich ganz am Ende der Hafenbahn. Es werden an einem Turm, der über einen Schrägaufzug / Förderband bestückt wird, geschlossene Güterwagen an einer kurzen Laderampe bereitgestellt. Direkt hinter dem Prellbock am Ende des Gleises befindet sich das Becken vom Stadthafen I. Eine Verladung von Futtermitteln in Papiersäcken kann als wahrscheinlich angenommen werden. Offen ist die Frage, was für eine Technik im Turm verbaut war…



Rheinpreussen (22)
Ein weiterer Kunde zum Thema Petroleumhafen

Auf der Rückfahrt von den nördlichen Anschließern bietet sich im September 1990 dieser Blick auf den Bahnübergang am Albersloher Weg (Foto. Riegel)





Quellen
Für die Luftaufnahme des Katasteramtes der Stadt Münster: „Vervielfältigt mit Genehmigung des Vermessungs- und Katasteramtes der Stadt Münster vom 26.01.2011, Kontollnummer 62.01.E 47273“
Stadt Münster: Das schöne Münster, Sonderheft „50 Jahre Stadthafen Münster“, Werbe- und Verkehrsamt der Stadt Münster 1949
Einwohnerbuch der Stadt Münster 1962 / 1963, Verlag des Einwohnerbuches der Stadt Münster Westf., 68. Jahrgang
Einwohnerbuch der Stadt Münster 1950, Digitalisat im Stadtarchiv Münster über Archive NRW
„Das Gold der Tropen“, Vox-Kaffee-Werk 1963
Der Hafen von Münster, Begleitbuch zur Ausstellung 1999/2000, Stadtmuseum Münster
Münster auf alten Postkarten, Vom Aasee zum Hafen, Schollmeier/Thier, Aschendorff Verlag