Vorwort
Nach dem Ende des 2. Weltkrieges war zwar bei der WLE eine große Anzahl von Lokomotiven vorhanden, aber viele waren beschädigt, ausgezehrt oder schon über 40 Jahre alt. So wurde ein weiteres Mal nach gebrauchten Dampflokomotiven gesucht, die relativ schnell in Betrieb genommen werden konnten. Bei einem Verkaufsangebot der RBD Münster wurde man fündig.
Bauart
Die Lokomotiven der Baureihe 55.23-24 (preußische G9) stellten den Abschluß der Beschaffung von vierfach gekuppelten Güterzug Schlepptender Lokomotiven in Preußen dar. Noch in Naßdampfausführung wurden 200 Maschinen dieser Gattung von 1908 bis 1911 in Dienst gestellt. Ein Einsatzgebiet war die Beförderung von Erzügen von der Nordsee in das Ruhrgebiet, also eher schwere Züge im Flachland. Die wenigen nach dem Krieg in den Westzonen verbliebenen Loks wurden als Splittergattung bald ausgemustert. Dazu gehörten auch die vier von der WLE ausgesuchten Loks beim Bw Gronau. Die Wahl fiel auf diese, weil sie mit 4-achsigen Tendern von S6-Schnellzugmaschinen ausgestattet waren.

Einige Umbauten mußten die Loks allerdings noch über sich ergehen lassen. Um das Lokpersonal bei Rückwärtsfahrt zu schützen wurden Rückwände auf dem Tender aufgebaut. Auch der Aufbau auf dem Tender wurde verändert. Nach Antrag und Probefahrten wurden die Loks für 55 Km/h bei Rückwärtsfahrt (vorher 40 Km/h) von der Bahnaufsicht zugelassen. Ein zusätzlicher Sandkasten sorgte für die Sandung bei der Rückwärtsfahrt.

So kamen die einzigen vier Schlepptendernlokomotiven 1949 bei der WLE in den Einsatz.

Betriebseinsatz
Die Loks wurden in allen notwendigen Diensten, vom Steinzug, über den Personenverkehr bis in den Rangierdienst eingesetzt, wie aus den Aufschreibung des Lehrlokführers für die Jahre 1954 und 1955 zu sehen ist.

Die Lok 201 ist im Aufschreibungszeitraum vorrangig mit Nahgüterzügen zwischen Beckum und Lippstadt unterwegs.
Auch Steinzüge (Dg 63xx) werden befördert.
Die Züge vom 17. bis 20. September 54 gehören zu einem Herbstmanöver der Englischen und Belgischen Armee.

Bis zum Ende November 54 ist Lok 202 auch vor Nahgüterzügen ab Beckum unterwegs. Ab 1. Dezember wird sie auf der Sennebahn zwischen Wiedenbrück und Sennelager in einem der dortigen zwei Umläufe eingesetzt.



Über den ganzen Zeitraum ist Lok 203 in Münster Ost und mit Nahgüterzügen nach Neubeckum und zurück unterwegs.

Lok 204 ist von Münster aus im Einsatz und später auf der Sennebahn.
Ab Januar 55 (nach einer Zeit in der Hauptwerkstatt ?) ist sie vor Personenzügen zwischen Lippstadt und Warstein unterwegs.








Zusammenfassung
Die vier Lokomotiven waren in ihren Einsatzjahren eine wichtige Stütze im Betrieb. Auch die neuen Deutz Großdieselloks konnten sie nicht sofort verdrängen.

Modell
Es gibt kein Großserienmodell der G 9. Daher wurde im Rahmen der selektiven Kompression ein Roco Modell der BR 57 zu einem Umbau durch Ole Lebek herangezogen. Natürlich stimmen Bauart, Achfolge und Tender nicht mit dem Vorbild überein, aber die Lok versieht ihren Dienst im Güterverkehr.

Quellen
Sammlung Christoph Riegel
Archiv WLE Soest und Lippstadt
Risse, Krause, Die Dampflokomotiven der WLE, DGEG Medien
Obermayer, Taschenbuch Deutsche Dampflokomotiven, Franckh´sche Verlagshandlung
FREMO WLE Zoom
Diverse Netzfunde