
An der Provinzialstraße, heute B55, hatten sich schon vor dem Bau der Westfälischen Landeseisenbahn nach Warstein in engem Abstand fünf Betriebe der eisenverarbeitenden Industrie angesiedelt. Alle Betriebe erhielten eine Gleisanschluß.
Auf dem Kartenausschnitt sind die fünf Werke mit Nummern gekennzeichnet.
(Topog. Karte 1936/45, Quelle TIM online)
Vorwort
In der „Sammlung betrieblicher Vorschriften“ (SbV) aus dem Buchfahrplan Sommer 1963 sind die Anschließer zwischen Belecke und Warstein noch alle aufgeführt. Die in dieser Auflistung genannten Namen werden für die Überschrift verwendet, die vor- oder nachher gebräuchlichen, oder die Umgangssprachlichen werden in den einzelnen Beiträgen ebenfalls genannt.

Firmengeschichte
Im Jahr 1829 wurde durch Theodor Linnhoff im Westertal an der Grenze zwischen Belecke und Warstein, aber noch auf Warsteiner Gebiet, ein Drahtwalzbetrieb eröffnet. Bereits 1831 wurde als weiterer Betrieb ein Stabeisenhammer gegründet, dieser aber weiter nördlich auf Belecker Gebiet.
1860 wurden durch neue Maschinen das Werk Warstein zu einer Drahtzugfabrik und das Werk Belecke zu einer Stiftefabrik umgebaut. Im Warsteiner Werk wurde Eisen aus den Warsteiner Hütten im Feinzug zu Draht geformt, welcher im Belecker Werk zu Stiften (Nägeln) veredelt wurde.
Nach der Eröffnung der WLE 1883 erlebten beide Werke einen großen Aufschwung, so wurden Nägel z. Beispiel nach China und Japan exportiert. Beide Werke hatten eine große Bedeutung für Belecke, es arbeiteten bis zu 330 Menschen in den Werken. Belecke hatte um diese Zeit (1900) 1700 Einwohner.
Durch Firmenverschmelzungen wurde aus den Linnhoff´schen Werken im Jahr 1874 die »Westfälische Union«, 1898 die »Phoenix – Westfälische Union« und schließlich 1925 die »Vereinigte Stahlwerke«. Durch die Weltwirtschaftskriese ausgelöst schlossen die Vereinigten Stahlwerke die beiden Werke 1926 ohne weitere Vorankündigung. Ein schwerer Schlag für Belecke.
Die Gebäude der Stiftefabrik dienten vorübergehend als Unterkunft für Notstandsarbeiter und für den Arbeitsdienst, bis sie 1939 von der expandierenden Firma Siepmann aus Belecke erworben wurden. Das Werk wurde zum »Westerwerk« oder auch „Schweißwerk“ der Firma Siepmann, die hier den Gesenkbau, eine Schweißerei und ab April 1942 die große Lehrwerkstatt einrichteten.
Über den Termin der Schließung des Westerwerk liegen keine genauen Daten vor. Jedenfalls verschwand der Anschluß zwischen 1967 und 1971 aus den Unterlagen der WLE.


Luftbild der Gebäude (1960). Das von den Gleisanlagen benutzte Dreieck ist auch hier gut zu erkennen. Die Gebäude sind zum Teil noch vorhanden und zu Wohnungen umgebaut. Die alte Gleisfläche ist noch als Rasenplatz vorhanden, von der Straße durch einen Zaun getrennt. (Sammlung Riegel)

Quellen
Sammlung Christoph Riegel
Weg der Montangeschichte, Stadtmarketing Warstein
Belecke in der Zeit des Wirtschaftswunders, Kultur- und Heimatverein Badulikum
Archiv WLE in Soest und Lippstadt
FREMO WLE Zoom
Diverse Netzfunde