An der Provinzialstraße – Reckhammer (4)

An der Provinzialstraße, heute B55, hatten sich schon vor dem Bau der Westfälischen Landeseisenbahn nach Warstein in engem Abstand fünf Betriebe der eisenverarbeitenden Industrie angesiedelt. Alle Betriebe erhielten eine Gleisanschluß.

Auf dem Kartenausschnitt sind die fünf Werke mit Nummern versehen.

(Topog. Karte 1936/45, Quelle TIM online)

Vorwort

In der „Sammlung betrieblicher Vorschriften“ (SbV) aus dem Buchfahrplan Sommer 1963 sind die Anschließer zwischen Belecke und Warstein noch alle aufgeführt. Die in dieser Auflistung genannten Namen werden für die Überschrift verwendet, die vor- oder nachher gebräuchlichen, oder die Umgangssprachlichen werden in den einzelnen Beiträgen ebenfalls genannt.

Firmengeschichte

Wilhelm Bergenthal (Gründer der Firma Gabriel & Bergenthal) schuf in den Jahren 1834 bis 1838 im Wästertal auf einer unbebauten Wiesenparzelle einen Stahlraffinier-Hammerbau, später als »Reckhammer« bezeichnet. In diesem Werk war die Vor-Fabrikation angesiedelt für die Achsen-Geschläge auf dem Puddelhammer (nördliches Nachbarwerk) und für die Achsen-Herstellung auf dem Eisenhammer (Hauptwerk  südlich). Alle drei Betriebe gehörten in dieser Zeit der Werksgründung zur Firma Gabriel & Bergenthal und arbeiteten fabrikationsspezialisiert miteinander und einander zu. In den Jahren vor 1914 kam die Fabrikation im Reckhammer zum Erliegen.

Ab 1914 lief die Fabrikation im Werk Reckhammer zu Rüstungszwecken wieder an. Bereits 1915 wurde der Reckhammer an die neu gegründete GmbH »Reckhammer, Gesenkschmiederei« abgetreten. 1917 fusionierte man diese zur neuen Gesellschaft »Dittmann-Neuhaus & Gabriel-Bergenthal«. Die alten Gebäude des Reckhammers wurden im Zuge dieser Fusion abgerissen; es entstand an gleicher Stelle eine neue Fabrik als Hammerwerk für das Nachbarwerk, welches sich erfolgreich auf die Fertigung von leichten Fahrzeugachsen spezialisiert hatte.

Die Standortfolge der drei Betriebe hintereinander gab andererseits auch die Möglichkeit, das Gefälle der Wester für den dreifachen Stau des Wassers als Primär-Energie für den Betrieb der Hämmer zu nutzen.

Mitte der 1960er Jahre wurden die Gebäude von den Warsteiner Gummierungswerken übernommen. Hier wurden Rohre und Behälter, so auch Kesselwagen, mit einer Beschichtung gegen chemische Beanspruchung versehen. Nach mehreren Eigentümerwechseln besteht das Werk heute noch.

Plan von 1888 (Sammlung Riegel)
Plan von etwa 1930 (Archiv WLE)
Luftbild von den Gebäuden, etwa 1950 (Foto: Heimatverein Warstein)
Bearbeiteter Kesselwagen 1984 (Foto: Loer)
Luftbild 1960 (Sammlung Riegel)

Quellen

Sammlung Christoph Riegel

Weg der Montangeschichte, Stadtmarketing Warstein

Belecke in der Zeit des Wirtschaftswunders, Kultur- und Heimatverein Badulikum

Archiv WLE in Soest und Lippstadt

FREMO WLE Zoom

Diverse Netzfunde