An der Provinzialstraße – Eisenhammer (5)

An der Provinzialstraße, heute B55, hatten sich schon vor dem Bau der Westfälischen Landeseisenbahn nach Warstein in engem Abstand fünf Betriebe der eisenverarbeitenden Industrie angesiedelt. Alle Betriebe erhielten eine Gleisanschluß.

Auf dem Kartenausschnitt sind die fünf Werke mit Nummern versehen.

(Topog. Karte 1936/45, Quelle TIM online)

Vorwort

In der „Sammlung betrieblicher Vorschriften“ (SbV) aus dem Buchfahrplan Sommer 1963 sind die Anschließer zwischen Belecke und Warstein noch alle aufgeführt. Die in dieser Auflistung genannten Namen werden für die Überschrift verwendet, die vor- oder nachher gebräuchlichen, oder die Umgangssprachlichen werden in den einzelnen Beiträgen ebenfalls genannt.

Sammlung betrieblicher Vorschriften aus dem Buchfahrplan 1963 (Sammlung Riegel)
Unterschiedliche Namen der Anschließer seit 1938 (Grafik: Riegel)

Firmengeschichte

Bereits 1741 wurde der erste Hammer in einiger Entfernung zum Hüttengelände im Zentrum von Warstein in Betrieb genommen. Die Wahl fiel auf diesen Standort an der Wäster, weil im Bereich des Geländes »Eisenhammer« genügend Grund und Wasserkraft für Bau und Betrieb eines Eisenhammers vorhanden war.

Bereits 1830 konnten die ersten Wagenachsen geschmiedet werden. Um 1870 hielt der Dampfdruck als Energiequelle Einzug in das Werk. 1898 gelang mit der Lufthammertechnik eine bahnbrechende Innovation: Im Werk Eisenhammer war das Freiformschmieden möglich, und innerhalb weniger Jahre entwickelte sich der Eisenhammer zur »Größten Achsenfabrik Deutschlands«. Warsteiner Achsen wurden in alle Teile der Erde geliefert.

Während des Zweiten Weltkrieges stellte der Eisenhammer bis zu 90 Prozent Rüstungsgüter her, neben Lastachsen auch Granatwaffen und Geschütze. Nach einem Konkurs (1967) erfolgte ein neuer Aufschwung unter der Firmierung Warsteiner Achsenfabrik – Achsen wurden in großer Menge vorwiegend für Nahost produziert. 1988 zog die Achsenfabrik mit der Produktion nach Büren, nur die Schmiede blieb im Werk Eisenhammer. 1995 wurden die Gebäude verkauft und noch im gleichen Jahr abgerissen.

Plan von 1888 (Sammlung Riegel)
Plan etwa 1930 (Archiv WLE)
Etwa 1900 (Foto: Stadtmarketing Warstein)
Verladehalle in den 1980ern (Foto: Loer)
Werkstor und Verladekran kurz vor dem Abriss um 1990 (Foto: Loer)
DE 0902 mit dem P 5 nach Warstein am 8. Januar 1972, am linken Bildrand ein Gebäude der Achsenfabrik (Foto: Archiv WLE)
Luftaufnahme 1960 (Sammlung Riegel)

Quellen

Sammlung Christoph Riegel

Weg der Montangeschichte, Stadtmarketing Warstein

Belecke in der Zeit des Wirtschaftswunders, Kultur- und Heimatverein Badulikum

Archiv WLE in Soest und Lippstadt

FREMO WLE Zoom

Diverse Netzfunde