Vorwort
Wohin fuhren früher die Güterwagen im Einzelwagenverkehr? Neben den Kunden, die an der Ladestraße im Bahnhof ihre Ware empfangen oder verladen haben gab es eine Vielzahl von sogenannten Privatanschlüssen. Ein Werk, Betrieb oder Lager hatte eine Weiche und ein Gleis, auf dem die Wagen bereitgestellt wurden. Auch bei der WLE gab es einige dieser Anschlüsse. Viele eigenen sich für den Nachbau auf einem Modul. Einige davon auch für einen Anschluß neben der Provinzialstraße.
Grotemeyer
Im Jahr 1919 erbaute Fritz Grundmann an der Rüthener Landstraße in Belecke eine neue Sägemühle. Diese wurde mit Dampfkraft betrieben und erhielt einen Gleisanschluß an die Möhnetalbahn. Es wurde hauptsächlich Bauholz und Eisenbahnschwellen produziert. Durch die Wirtschaftskrise entfielen Aufträge und 1931 wurde das Werk geschlossen. Grundstück und Gebäude vielen in einer Versteigerung an die Belecker Spar- und Darlehnskasse.
Die Kasse verkaufte den Betrieb 1934 an den Sägemüller Reinhard aus Hirschberg. Rohholz wurde mit einem eigenen Lastwagen aus den Wäldern des Sauerlandes herangefahren. Es wurde Bau- und Möbelholz hergestellt und die sozialen Gegebenheiten waren z. Bsp. mit einem Tagesraum für die Essenspausen vorbildlich. Ein weiterer Gleisanschluß für einen Holzlagerplatz wurde beantragt und genehmigt. Nach dem Krieg wurde wieder investiert, aber eher glücklos. Durch zunehmende Konkurrenz musste das Werk 1952 schließen.
Von 1958 bis 1961 wurden die Werksanlagen an die Firma Grotemeyer aus Altenberge bei Münster verpachtet, konnten aber nicht mehr rentabel betrieben werden. Heute werden die Gebäude von einer Lackiererei und einem Metallbauer genutzt.



Die SbV beschreiben die Besonderheiten der Betriebsstellen. Die Spalten bedeuten:
1 Betriebstelle und Neigung der Strecke
2 bis 7 Besonders vorsichtig rangieren, 2 wegen Gefälle in Richtung, 3 Gefälle, 4 bis 6 Abstoßen und Ablaufenlassen: ja, 4 nach Gleis, 5 wenn Schutzweiche, 6 nur mit bedienter Handbremse, 7 Abstoßen: nein nach Gleis
8 bis 10 Rangieren nur gestattet wenn bestimmte Voraussetzung bei den Bremsen eingehalten sind
11 Beachte: a) Profilbeschränkung, … f) sonstiges

Der Schlüssel wird beim Zugleiter auf dem Stellwerk Belecke aufbewahrt. Die Anschlußweiche befindet sich im Bezirk des Bahnhofs.
An diesem Beispiel zeigt sich auch wieder die unterschiedliche Schreibweise für Anschließer / Kunden in den amtlichen Unterlagen der WLE.


Am 12. Mai 1973 befuhren die Eisenbahnfreunde Hannover die WLE mit Sonderzügen. Hierbei waren viele Eisenbahnfreunde auch an der Strecke im Einsatz.




Das Bild zeigt den Abzweig der Möhnetalbahn nach Brilon Stadt (nach unten) von der Stammbahn nach Lippstadt. Am rechten Bildrand der heute noch bestehende Anschluß der VEW, der von der Stammbahn nach Lippstadt abzweigt.
Modell

Quellen
Sammlung Christoph Riegel
Weg der Montangeschichte, Stadtmarketing Warstein
Praesidium Baduliki / Belecke, Selbstverlag der Stadt Belecke
Belecke in der Zeit des Wirtschaftswunders, Kultur- und Heimatverein Badulikum
Archiv WLE in Soest und Lippstadt
Diverse Netzfunde