Der Bahnhof ist an der Sennebahn der WLE (Strecke Wiedenbrück – Sennelager) gelegen und wurde mit der ganzen Sennebahn am 1. September 1902 eröffnet. Von hier aus wurden die Fahrzeuge eingesetzt. Die Entscheidung Delbrück hierzu zu bestimmen, und nicht Wiedenbrück, fiel erst nach dem Baubeginn der Strecke.

Von Rietberg kommend wird kurz vor dem Bahnhof Delbrück mit 108 m über NN der höchste Punkt der Strecke erreicht. Der Bahnhof wurde am nördlichen Ortsrand angelegt und von der Straße nach Lippling in zwei Bereiche geteilt. Auf der Rietberger Seite befand sich der Bahnhof mit Bahnsteig, Güterschuppen, Empfangsgebäude, Ladestraße und Rampe. Auf der Sennelager Seite fand der Lokschuppen mit Werkstatt, Bekohlungsbühne und ab 1942 einem Dieseltank seinen Platz.
Die Gleisanlagen blieben von der Eröffnung über viele Jahrzehnte unverändert. Nur 1926 wurde die Anbindung der Rampe und des Anschlußgleises Brenken umgebaut.





Gebäude
Die zwei der WLE gehörenden Bahnbauten prägten das Umfeld des Bahnhof. Das Empfangsgebäude wurde mehrfach erweitert und wegen Rissen im Mauerwerk renoviert.


Das Empfangsgebäude wurde im Januar 1999 abgerissen. Vorher war noch an die Einrichtung eines Jugendhauses gedacht worden.


Der Lokschuppen wurde im Mai 1996 abgerissen. Er diente zuvor einem Baumarkt als Lager.
Güterkunden
Brenken ( & Pieper)
Bereits zwei Monate vor der Bahneröffnung wurde ein Grundstück für einen Landhandel direkt am Bahnhof verpachtet. Zuerst wurde ein Unterstand für die Lagerung von Heu errichtet, später ein festes Gebäude, in das ein Ladegleis führte. Erst im November 1997 wurde der Landhandel abgebrochen.

Leverken (auch Lewerken geschrieben)
Die Verzinkerei wurde 1910 gegründet. Die klassische, verzinkte 20 l Gießkanne war ein weit verbreitetes Produkt des Unternehmens. Am 5. November 1929 wurde der Antrag für den Bau eines Schuppens für Fertigprodukte neben dem Lokschuppen gestellt. Dieser wurde später (1942?) mit dem Gleis 10 zum „Anschlußgleis Leverken“. Der Anschluß bestand bis zum 23. Januar 1979.

Ziegelei Speit
Entlang der Ladestraße, gegenüber dem Empfangsgebäude, errichtete die Familie Speit ab ? eine Ziegellei. Der Bahnhof ist von der Anlage einer neuen Zufuhrstraße betroffen, einen Gleisanschluß erhält die Ziegelei nicht.

Die Straße zur Ziegelei wird geplant (Plan: Beyer)
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Zeitschiene
Old 1926

Die Gleisanlagen an der Rampe werden in diesem Jahr erneuert. Ansonsten verkehren, wie seit der Eröffnung, vier Zugpaare zwischen Sennelager und Wiedenbrück.
1928 – Triebwageneinsatz
Ab dem 15. Mai 1928 wurde einer der neuen Triebwagen der WLE auf der Sennebahn eingesetzt und die Anzahl der Zugpaar auf 7 täglich erhöht. Siehe hierzu auch den Beitrag über die Vt 1 und 2. Im Juli 1928 wurde eine Fahrgastzählung durchgeführt die ernüchternd war: kaum zusätzlich Fahrgäst trotz deutlicher Erhöhung der Zugfahrten. So wurde der Triebwagen bereits vor dem Winterfahrplan ab dem 7. Okotber 1928 abgezogen und auf der Nordbahn eingesetzt.
Ab 15. Mai 1936 werden in den Fahrplantabellen auch zusätzlich Busfahrten zwischen Paderborn und Rheda entlang der Strecke angeboten.
IIIa 1955
Bald nach dem Krieg wird ab dem 23. Dezember 1946 die Erste Kleinlok (VL 3, später VL 0603) auf der Sennebahn eingesetzt. Für diese Lok gibt es ab dem 27. März 1947 die Erlaubnis auch Personenzüge ohne durchgehende Bremse befördern zu durfen. Auch sind ab August 1948 wieder Busse im Fahrplan zu finden. Auch eine Erhöhung der Zahl der Zugfahrten kann nicht verhindern, daß ab Februar 1955 im Vorstand der WLE über eine Stillegung der Sennebahn gesprochen wird. Nach Einspruch der anliegenden Gemeinden, die auch Miteigentümer der WLE waren, wird mit der DB über ein Streckentausch verhandelt.

Der Bildfahrplan vom Sommer 1953 enthält deutlich mehr Zugfahrten als die vier Paare seit der Anfangszeit.
Es sind drei Lokomotiven in Delbrück stationiert: Eine T3 aus der Lieferung von 1901, eine G9 Schlepptenderlok aus dem Gebrauchtkauf 1946 und eine Motor Kleinlok, wobei zwei Maschinen das gesamte Betriebsprogramm abwicklen können.
(Bildfahrplan: Sammlung Riegel)

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Selbst im Jahr 1957 gibt es noch Expressgutwagen für die Geflügelbeförderung, Auszug aus dem Beförderungsbuch der WLE (Sammlung Riegel)

IIIb 1966
Die Verhandlungen mit der DB über einen Streckentausch sind erfolgreich. Allerdings werden nur die Betriebsrechte getauscht, die Eigentumsverhältnisse bleiben nicht angetastet. Ab dem 1. April 1958 wird die Sennebahn von der DB betrieben, dafür übernimmt die WLE den Betrieb auf der Strecke Beckum – Neubeckum. Sofort wird der Personenverkehr von der DB eingestellt, nur der Güterverkehr auf der Gesamtstrecke bleibt erhalten. Ab März 1963 führt die DB den vereinfachten Nebenbahnbetrieb ein und zum 21. Mai 1966 wird die Strecke zwischen Ostenland und Sennelager geschlossen, die Sennebahn wird zur Stichstrecke.





IV 1972
Der Betrieb hat sich über die letzten Jahre nicht verändert. Vormittags wird die ganze Strecke mit einem Nahgüterzug bedient. Bis in die 1970er Jahre kommt dazu eine V100 (211) vom Bw Münster zum Einsatz, später reicht die Bahnhofslok vom Bahnhof Rheda, eine Köf III (333).



Zusammenfassung
Nicht einmal 60 Jahre wurde die Sennebahn von der WLE betrieben, noch einmal dreißig Jahre zusätzlich von der DB. In den Jahren 1992 und 1993 erfolgte der Rückbau der Gleise im Bahnhof Delbrück.

Modell
Nach der Vorstellung des Bahnhofs beim WLE Zoom im FREMO wurde eine interessante Kooperation geschlossen. Ein zum WLE Betrieb zuzurechnendes Mitglied wird den Bahnhof, die Rietberger Seite, bauen. Ein anderer Mitstreiter wird das Bw, die Senner Seite, so bauen und gestalten, dass es für die Fraktion „Old“, also das Spieljahr 1926 geeignet ist. Natürlich ist dadurch ein Einsatz bei der „blauen“ Westlippischen Eisenbahn nicht ausgeschlossen.



Noch mehr Modell
Fast wäre der Lokschuppen erhalten geblieben. Am 29. Januar 1990 stellte die Dampfkleinbahn Mühlenstroth (DKBM) aus Gütersloh ihre Pläne für ein Kleinbahnmuseum am Lokschuppen Delbrück im dortigen Rathaus vor. Die Strecke über den Delbrücker Rücken in Richtung Rietberg sollte auf 60 cm Spurweite umgebaut werden und ein Dampfbahnbetrieb eingerichtet werden. Heute wäre das sicherlich ein Touristenmagnet. Aber in Delbrück wollte man lieber einen, durch das Land NRW geförderten Fernradweg auf der alten Trasse. (Foto: Archiv DKBM)

Quellen
Sammlung Christoph Riegel
Archiv WLE Lippstadt und Soest
Bestände Kubasik im Kreisarchiv Soest
FREMO WLE Zoom
Diverse Netzfunde