Delbrück

Der Bahnhof ist an der Sennebahn der WLE (Strecke Wiedenbrück – Sennelager) gelegen und wurde mit der ganzen Sennebahn am 1. September 1902 eröffnet. Von hier aus wurden die Fahrzeuge eingesetzt. Die Entscheidung Delbrück hierzu zu bestimmen, und nicht Wiedenbrück, fiel erst nach dem Baubeginn der Strecke.

Der „Delbrücker Winkel“ in den 1930er Jahren (Karte: Sammlung Riegel)

Von Rietberg kommend wird kurz vor dem Bahnhof Delbrück mit 108 m über NN der höchste Punkt der Strecke erreicht. Der Bahnhof wurde am nördlichen Ortsrand angelegt und von der Straße nach Lippling in zwei Bereiche geteilt. Auf der Rietberger Seite befand sich der Bahnhof mit Bahnsteig, Güterschuppen, Empfangsgebäude, Ladestraße und Rampe. Auf der Sennelager Seite fand der Lokschuppen mit Werkstatt, Bekohlungsbühne und ab 1942 einem Dieseltank seinen Platz.

Die Gleisanlagen blieben von der Eröffnung über viele Jahrzehnte unverändert. Nur 1926 wurde die Anbindung der Rampe und des Anschlußgleises Brenken umgebaut.

Änderungen der Gleislage 1926 (Archiv WLE)
Gleisplan 1947 (Archiv WLE)
Luftbild 1958, Rietberger Seite (Foto: Sammlung Riegel)
Luftbild 1958, Senner Seite (Foto: Sammlung Riegel)
Gleispläne im Vergleich 1958 und 1984 (Zeichnung: Bruland)

Gebäude

Die zwei der WLE gehörenden Bahnbauten prägten das Umfeld des Bahnhof. Das Empfangsgebäude wurde mehrfach erweitert und wegen Rissen im Mauerwerk renoviert.

Am Tag der Eröffnung 1. September 1902 (Foto: Archiv WLE)
CAD Zeichnung des Empfangsgebäudes (Grafik: Kubasik im Kreisarchiv Soest)

Das Empfangsgebäude wurde im Januar 1999 abgerissen. Vorher war noch an die Einrichtung eines Jugendhauses gedacht worden.

Bauzeichnung für den Lokschuppen (Archiv WLE)
Am 19. Juli 1981 ist der Lokschuppen noch vorhanden (Foto: Schmitter, Archiv WLE)

Der Lokschuppen wurde im Mai 1996 abgerissen. Er diente zuvor einem Baumarkt als Lager.

Güterkunden

Brenken ( & Pieper)

Bereits zwei Monate vor der Bahneröffnung wurde ein Grundstück für einen Landhandel direkt am Bahnhof verpachtet. Zuerst wurde ein Unterstand für die Lagerung von Heu errichtet, später ein festes Gebäude, in das ein Ladegleis führte. Erst im November 1997 wurde der Landhandel abgebrochen.

Anschluß Brenken / BBAG 1947 (Archiv WLE)

Leverken (auch Lewerken geschrieben)

Die Verzinkerei wurde 1910 gegründet. Die klassische, verzinkte 20 l Gießkanne war ein weit verbreitetes Produkt des Unternehmens. Am 5. November 1929 wurde der Antrag für den Bau eines Schuppens für Fertigprodukte neben dem Lokschuppen gestellt. Dieser wurde später (1942?) mit dem Gleis 10 zum „Anschlußgleis Leverken“. Der Anschluß bestand bis zum 23. Januar 1979.

Nach Abbbau der Gleise zum Güterschuppen bleibt Gleis 10 als Anschlußgleis, etwa 1965 (Archiv WLE)

Ziegelei Speit

Entlang der Ladestraße, gegenüber dem Empfangsgebäude, errichtete die Familie Speit ab ? eine Ziegellei. Der Bahnhof ist von der Anlage einer neuen Zufuhrstraße betroffen, einen Gleisanschluß erhält die Ziegelei nicht.

Die Straße zur Ziegelei wird geplant (Plan: Beyer)

.

Luftbild der Ziegelei mit einem Überblick über den Bahnhof (Foto: Sammlung Beyer)

Zeitschiene

Old 1926

Im Herbst 1937 wird ein wichtiges Ladegut der Sennebahn zur Verladung gebracht: Gänse (Foto: Archiv WLE)

Die Gleisanlagen an der Rampe werden in diesem Jahr erneuert. Ansonsten verkehren, wie seit der Eröffnung, vier Zugpaare zwischen Sennelager und Wiedenbrück.

1928 – Triebwageneinsatz

Ab dem 15. Mai 1928 wurde einer der neuen Triebwagen der WLE auf der Sennebahn eingesetzt und die Anzahl der Zugpaar auf 7 täglich erhöht. Siehe hierzu auch den Beitrag über die Vt 1 und 2. Im Juli 1928 wurde eine Fahrgastzählung durchgeführt die ernüchternd war: kaum zusätzlich Fahrgäst trotz deutlicher Erhöhung der Zugfahrten. So wurde der Triebwagen bereits vor dem Winterfahrplan ab dem 7. Okotber 1928 abgezogen und auf der Nordbahn eingesetzt.

Ab 15. Mai 1936 werden in den Fahrplantabellen auch zusätzlich Busfahrten zwischen Paderborn und Rheda entlang der Strecke angeboten.

IIIa 1955

Bald nach dem Krieg wird ab dem 23. Dezember 1946 die Erste Kleinlok (VL 3, später VL 0603) auf der Sennebahn eingesetzt. Für diese Lok gibt es ab dem 27. März 1947 die Erlaubnis auch Personenzüge ohne durchgehende Bremse befördern zu durfen. Auch sind ab August 1948 wieder Busse im Fahrplan zu finden. Auch eine Erhöhung der Zahl der Zugfahrten kann nicht verhindern, daß ab Februar 1955 im Vorstand der WLE über eine Stillegung der Sennebahn gesprochen wird. Nach Einspruch der anliegenden Gemeinden, die auch Miteigentümer der WLE waren, wird mit der DB über ein Streckentausch verhandelt.

Das erweiterte Empfangsgebäude 1958, man beachte das Stückgut auf der Rampe vor dem Güterschuppen (Foto: Sammlung Riegel)

Der Bildfahrplan vom Sommer 1953 enthält deutlich mehr Zugfahrten als die vier Paare seit der Anfangszeit.

Es sind drei Lokomotiven in Delbrück stationiert: Eine T3 aus der Lieferung von 1901, eine G9 Schlepptenderlok aus dem Gebrauchtkauf 1946 und eine Motor Kleinlok, wobei zwei Maschinen das gesamte Betriebsprogramm abwicklen können.

(Bildfahrplan: Sammlung Riegel)

.

Auszug aus dem Buchfahrplan der WLE 1954 (Buchfahrplan: Sammlung Riegel)

Selbst im Jahr 1957 gibt es noch Expressgutwagen für die Geflügelbeförderung, Auszug aus dem Beförderungsbuch der WLE (Sammlung Riegel)

Etwa 1957 ist Lok DL 0051 für den Dienst in Delbrück eingeteilt (Foto: Archiv WLE)

IIIb 1966

Die Verhandlungen mit der DB über einen Streckentausch sind erfolgreich. Allerdings werden nur die Betriebsrechte getauscht, die Eigentumsverhältnisse bleiben nicht angetastet. Ab dem 1. April 1958 wird die Sennebahn von der DB betrieben, dafür übernimmt die WLE den Betrieb auf der Strecke Beckum – Neubeckum. Sofort wird der Personenverkehr von der DB eingestellt, nur der Güterverkehr auf der Gesamtstrecke bleibt erhalten. Ab März 1963 führt die DB den vereinfachten Nebenbahnbetrieb ein und zum 21. Mai 1966 wird die Strecke zwischen Ostenland und Sennelager geschlossen, die Sennebahn wird zur Stichstrecke.

Am 28. März 1961 hat sich nicht viel verändert. Im Hintergrund am linken Bildrand die Firma Brenken (Foto: Sammlung Krause)
Auch die Zufahrt zum Lokschuppen ist am 28. März 1961 noch vorhanden. Die Weichen liegen aber schon für die Zustellung im Anschluß Leverken (Foto: Sammlung Krause)
Nur Packwagen und Triebfahrzeug (Köf 6662) sind nun eindeutig DB (Foto: Sammlung Krause)
Die Rietberger Seite im Luftbild 1965 (Sammlung Riegel)
Die Senner Seite 1965, vor dem Lokschuppen parken schon Pkw (Sammlung Riegel)

IV 1972

Der Betrieb hat sich über die letzten Jahre nicht verändert. Vormittags wird die ganze Strecke mit einem Nahgüterzug bedient. Bis in die 1970er Jahre kommt dazu eine V100 (211) vom Bw Münster zum Einsatz, später reicht die Bahnhofslok vom Bahnhof Rheda, eine Köf III (333).

DB Buchfahrplan 1970 (Sammlung Riegel)
Am 19. Juli 1981 zeigt sich die Rampe am Güterschuppen deutlich vergrößert, aber sonst ist vieles wie vor 20 Jahren (Foto: Schmitter, Archiv WLE)
Nur die Gleise enden jetzt vor dem ehemaligen Bahnübergang, der Prellbock steht in der Weiche (Foto: Schmitter, Archiv WLE)

Zusammenfassung

Nicht einmal 60 Jahre wurde die Sennebahn von der WLE betrieben, noch einmal dreißig Jahre zusätzlich von der DB. In den Jahren 1992 und 1993 erfolgte der Rückbau der Gleise im Bahnhof Delbrück.

Lok 0051 als Reserve in Delbrück im März 1958 (Foto: Todt, Sammlung EFW)

Modell

Nach der Vorstellung des Bahnhofs beim WLE Zoom im FREMO wurde eine interessante Kooperation geschlossen. Ein zum WLE Betrieb zuzurechnendes Mitglied wird den Bahnhof, die Rietberger Seite, bauen. Ein anderer Mitstreiter wird das Bw, die Senner Seite, so bauen und gestalten, dass es für die Fraktion „Old“, also das Spieljahr 1926 geeignet ist. Natürlich ist dadurch ein Einsatz bei der „blauen“ Westlippischen Eisenbahn nicht ausgeschlossen.

Aufteilung des Bahnhofs in zwei Projekte
Schlüsselbrett für den Rietberger Teil
Ein erster Testeinsatz im Sommer 2026 auf dem FREMO Treffen in Bonn

Noch mehr Modell

Fast wäre der Lokschuppen erhalten geblieben. Am 29. Januar 1990 stellte die Dampfkleinbahn Mühlenstroth (DKBM) aus Gütersloh ihre Pläne für ein Kleinbahnmuseum am Lokschuppen Delbrück im dortigen Rathaus vor. Die Strecke über den Delbrücker Rücken in Richtung Rietberg sollte auf 60 cm Spurweite umgebaut werden und ein Dampfbahnbetrieb eingerichtet werden. Heute wäre das sicherlich ein Touristenmagnet. Aber in Delbrück wollte man lieber einen, durch das Land NRW geförderten Fernradweg auf der alten Trasse. (Foto: Archiv DKBM)

Quellen

Sammlung Christoph Riegel

Archiv WLE Lippstadt und Soest

Bestände Kubasik im Kreisarchiv Soest

FREMO WLE Zoom

Diverse Netzfunde