Mülag in Lippstadt

Vorwort

Wohin fuhren früher die Güterwagen im Einzelwagenverkehr? Neben den Kunden, die an der Ladestraße im Bahnhof ihre Ware empfangen oder verladen haben gab es eine Vielzahl von sogenannten Privatanschlüssen. Ein Werk, Betrieb oder Lager hatte eine Weiche und ein Gleis, auf dem die Wagen bereitgestellt wurden. Auch bei der WLE gab es einige dieser Anschlüsse. Viele eigenen sich für den Nachbau auf einem Modul.

Ruhr – Stickstoff

Stickstoffdünger (in fester Form als Stickstoffverbindung) war in den Nachkriegsjahre ein sehr verbreitetes Produkt für die Erhöhung des landwirtschaftlichen Ertrages. Die Hälfte des 1968 in der Bundesrepublik angewendeten Stickstoffdüngers wurde in den Anlagen der Ruhr – Stickstoff in Bochum hergestellt. Für den Vertrieb arbeitete man u. a. auch der „Münsterschen Schiffahrts- und Lagerhaus AG“ (Mülag) zusammen. Von regional verteilten Lagerhäusern wurden die landwirtschaftlichen Genossenschaften bedient, oder die Landwirte holten den, in Säcken verpacken, Dünger selber ab. Ein solcher Umschlagplatz wurde Anfang der 1960er Jahre auch in Lippstadt an der Beckumer Straße, Ecke Graf Adolf Straße eingerichtet. Die WLE stellt dafür eine bislang nicht benötigte Fläche neben der Hauptwerkstatt zur Verfügung.

Ausschnitt Gleisplan Hauptwerkstatt, etwa 1947 (Sammlung Riegel)
Ähnlicher Ausschnitt vom 22. Januar 1965 (Archiv WLE)

Hier ist die Überbauung des ehemaligen Holzschuppens zu erkennen. Es wurden zwei Lagerhallen errichtet.

Im Juli 1963 sind die Mülag Hallen im Hintergrund zu erkennen (Foto: Todt, Sammlung EFW)
Nachträglich wurden die Hallen in Zeichnungen festgehalten (Archiv WLE)
(Archiv WLE)
Luftbild vom 30. April 1966 (Sammlung Riegel)

Jährlich wurden zwischen 50.000 und 60.000 Tonnen Dünger umgeschlagen. Mit saisonalen Schwankungen waren somit zwischen 8 und 12 geschlossene Güterwagen pro Tag zuzustellen. Dies geschah in einem besonderen Lokumlauf, der von Lippstadt Hbf früh morgens die Bahnhöfe Lippstadt Nord und Hauptwerkstatt bediente und zwischen 8.50 Uhr und 10.20 Uhr mit dem Rangieren der Düngerwagen beschäftigt war. Die zuzustellenden Wagen mußte am Vormittag entladen werden und konnten nicht länger in den Gleisen zwischen den Hallen stehen bleiben. Der Grund dafür war, daß die „Gasse“ zwischen den Hallen nachmittags dazu diente, die Lastwagen der Genossenschaften zu beladen. Daher konnten auch nachmittags keine Wagen zum Entladen zugestellt werden. Die Rückkehr dieser Tour erfolgte zwischen 11 und 11.30 Uhr nach Lippstadt Hbf.

Am 24. April 1967 kommt VL 0605 mit der Übergabe wieder in Lippstadt an (Foto: Netzfund)

Die Bildung des Zuges ist typisch für den Üb 836 aus der Hauptwerkstatt. Hinter der Lok ein leerer Otm von der Ladestraße in Lippstadt Nord. Dann ein Stückgutwagen vom dortigen Güterschuppen. Es folgen vier Ktm vom Kornhaus in Lippstadt Nord und eine lange Reihe von leeren G aus der Mülag.

An einem Tag im Jahr 1970 ist die Dampflok DL 0122 in diesem Rangierdienst eingeteilt. Der Fotograf hat die einzelnen Bewegungen in der Hauptwerkstatt festgehalten.

Die Übergabe kommt mit den Eingangswagen im Hauptgleis an (Foto: Archiv WLE)
Die ersten Wagen werden bereit gestellt (Foto: Archiv WLE)
Die Lok hat die ersten, leeren Wagen umfahren (Foto: Archiv WLE)
Es muß auf das Ausrücken des Lt 1308 nach Lippstadt gewartet werden (Foto: Archiv WLE)

Am 26. September 1971 endet die Umladung von Dünger an der Hauptwerkstatt. Das Fahrplanbüro verändert alle Nahgüterumläufe zwischen Lippstadt und Neubeckum und kann so mehr als einen Dienst pro Tag einsparen.

Gleisplanausschnitt vom November 1983 (Archiv WLE)

Die Hallen wurden danach für andere Zwecke genutzt / vermietet und sind 2026 noch vorhanden.

Modell

Auf einem neu entstehenden Modul in städtische Umgebung wird an einer Ecke ein Lagergebäude errichtet. Hier können verschiedenste Kunden, auf jeden Treffen ein anderer, ihren Stammsitz finden. Der Erbauer schreibt: „Das kann aber auch eine Halle sein, die man Treffenteilnehmern zur Verfügung stellt, die bspw. keine eigene Betriebsstelle haben. Ich überlege noch, ob ich das Hallenmotiv im Halbrelief auswechselbar mache.“ Vielleicht finden wir hier dann auch dem Düngerumschlag der Ruhr-Stickstoff.

Quellen

Sammlung Christoph Riegel

Gutachten über die Beteutung der WLE aus volkswirtschaftlicher Sicht, Böttger, Köln 1971

Archiv WLE in Soest und Lippstadt

Diverse Netzfunde