Vorwort
Wohin fuhren früher die Güterwagen im Einzelwagenverkehr? Neben den Kunden, die an der Ladestraße im Bahnhof ihre Ware empfangen oder verladen haben gab es eine Vielzahl von sogenannten Privatanschlüssen. Ein Werk, Betrieb oder Lager hatte eine Weiche und ein Gleis, auf dem die Wagen bereitgestellt wurden. Auch bei der WLE gab es einige dieser Anschlüsse. Viele eigenen sich für den Nachbau auf einem Modul.
Ruhr – Stickstoff
Stickstoffdünger (in fester Form als Stickstoffverbindung) war in den Nachkriegsjahre ein sehr verbreitetes Produkt für die Erhöhung des landwirtschaftlichen Ertrages. Die Hälfte des 1968 in der Bundesrepublik angewendeten Stickstoffdüngers wurde in den Anlagen der Ruhr – Stickstoff in Bochum hergestellt. Für den Vertrieb arbeitete man u. a. auch der „Münsterschen Schiffahrts- und Lagerhaus AG“ (Mülag) zusammen. Von regional verteilten Lagerhäusern wurden die landwirtschaftlichen Genossenschaften bedient, oder die Landwirte holten den, in Säcken verpacken, Dünger selber ab. Ein solcher Umschlagplatz wurde Anfang der 1960er Jahre auch in Lippstadt an der Beckumer Straße, Ecke Graf Adolf Straße eingerichtet. Die WLE stellt dafür eine bislang nicht benötigte Fläche neben der Hauptwerkstatt zur Verfügung.


Hier ist die Überbauung des ehemaligen Holzschuppens zu erkennen. Es wurden zwei Lagerhallen errichtet.




Jährlich wurden zwischen 50.000 und 60.000 Tonnen Dünger umgeschlagen. Mit saisonalen Schwankungen waren somit zwischen 8 und 12 geschlossene Güterwagen pro Tag zuzustellen. Dies geschah in einem besonderen Lokumlauf, der von Lippstadt Hbf früh morgens die Bahnhöfe Lippstadt Nord und Hauptwerkstatt bediente und zwischen 8.50 Uhr und 10.20 Uhr mit dem Rangieren der Düngerwagen beschäftigt war. Die zuzustellenden Wagen mußte am Vormittag entladen werden und konnten nicht länger in den Gleisen zwischen den Hallen stehen bleiben. Der Grund dafür war, daß die „Gasse“ zwischen den Hallen nachmittags dazu diente, die Lastwagen der Genossenschaften zu beladen. Daher konnten auch nachmittags keine Wagen zum Entladen zugestellt werden. Die Rückkehr dieser Tour erfolgte zwischen 11 und 11.30 Uhr nach Lippstadt Hbf.

Die Bildung des Zuges ist typisch für den Üb 836 aus der Hauptwerkstatt. Hinter der Lok ein leerer Otm von der Ladestraße in Lippstadt Nord. Dann ein Stückgutwagen vom dortigen Güterschuppen. Es folgen vier Ktm vom Kornhaus in Lippstadt Nord und eine lange Reihe von leeren G aus der Mülag.
An einem Tag im Jahr 1970 ist die Dampflok DL 0122 in diesem Rangierdienst eingeteilt. Der Fotograf hat die einzelnen Bewegungen in der Hauptwerkstatt festgehalten.




Am 26. September 1971 endet die Umladung von Dünger an der Hauptwerkstatt. Das Fahrplanbüro verändert alle Nahgüterumläufe zwischen Lippstadt und Neubeckum und kann so mehr als einen Dienst pro Tag einsparen.

Die Hallen wurden danach für andere Zwecke genutzt / vermietet und sind 2026 noch vorhanden.
Modell
Auf einem neu entstehenden Modul in städtische Umgebung wird an einer Ecke ein Lagergebäude errichtet. Hier können verschiedenste Kunden, auf jeden Treffen ein anderer, ihren Stammsitz finden. Der Erbauer schreibt: „Das kann aber auch eine Halle sein, die man Treffenteilnehmern zur Verfügung stellt, die bspw. keine eigene Betriebsstelle haben. Ich überlege noch, ob ich das Hallenmotiv im Halbrelief auswechselbar mache.“ Vielleicht finden wir hier dann auch dem Düngerumschlag der Ruhr-Stickstoff.
Quellen
Sammlung Christoph Riegel
Gutachten über die Beteutung der WLE aus volkswirtschaftlicher Sicht, Böttger, Köln 1971
Archiv WLE in Soest und Lippstadt
Diverse Netzfunde