Wohin fuhren früher die Güterwagen im Einzelwagenverkehr? Neben den Kunden, die an der Ladestraße im Bahnhof ihre Ware empfangen oder verladen haben gab es eine Vielzahl von sogenannten Privatanschlüssen. Ein Werk, Betrieb oder Lager hatte eine Weiche und ein Gleis, auf dem die Wagen bereitgestellt wurden. Auch bei der WLE gab es einige dieser Anschlüsse. Viele eigenen sich für den Nachbau auf einem Modul.
Preckel & Wältermann (Profilia)

In die Wirtschaftswunderzeit ab 1949 fiel auch die Gründung eines großen Möbelherstellers im Münsterland. In Ennigerloh, zwischen Beckum und Warendorf, wurden Polstermöbel gebaut, die dem damaligen Zeitgeist entsprachen. Der Verkauf fand über die damals zahlreichen Möbelhäuser bundesweit, aber auch über den aufkommenden Versandhandel von Neckermann und Quelle statt. Alle Teile wurden im Werk hergestellt, vom Holzrahmen und den Füßen über die Polsterung bis zum Nähen des Bezuges. Das Werk wurde ständig erweitert und neue Standorte hinzugekauft, so z. Bsp. 1955 in Warendorf. Bis in die 1980er Jahre wurde Profilia mit Zweigwerken in Warendorf, Wiedenbrück, Oberhausen und Berlin zum größten Arbeitgeber in Ennigerloh mit über 2000 Mitarbeitenden vor Ort.


Aber wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Unmögliche Möbelhäuser und andere Anbieter veränderten den Geschmack und die Wünsche für ein behagliches Zuhause. Im Jahr 1985 mußte Profilia Konkurs anmelden und schloß 1986 alle Produktionsstätten.

Der Anschluß


Anschlüsse dieser Art sind nicht die natürlichen Zielorte von Eisenbahnfreunden und so gibt es nur wenige Dokumente zum Betrieb im Werk.

Ein Teil der Gebäude ist bis heute erhalten.



Auszug aus dem Buchfahrplan 1967. Die Ladestelle in km 4,916 dienste der Anlieferung von Holz und ist auch im Gleisplan oben enthalten. Leider ist die „bes. Betriebsanweisung“ nicht überliefert. (Sammlung Riegel)
Etwas mehr Auskunft gibt die Anweisung für die Schlüsselnutzung, ebenfalls 1967 (Sammlung Riegel)

Container
Wie oben beschrieben waren auch Versandkonzerne Kunden von Profilia. Die Läger dieser Abnehmer waren nicht immer mit einem Gleisanschluß ausgestattet. Weiterhin wurde die Verpackung und Auslieferung im Werk an eine Stelle verlegt, die von den Gleisen der WLE nicht zu erreichen waren. So wurden ab den 1970er Jahren vermehrt DB-Container für den Versand eingesetzt. Diese wurden im Bahnhof Ennigerloh bereitgestellt und in vielen Fällen mit den Nahgüterzügen von Münster aus herangefahren. So prägten die rot-weißen Boxen über Jahre auch das Bild dieser Züge.






Quellen
Sammlung Christoph Riegel
Archive WLE, Lippstadt und Soest
TIM – Online
Diverse Netzfunde