Heidberg

Vorwort

Wohin fuhren früher die Güterwagen im Einzelwagenverkehr? Neben den Kunden, die an der Ladestraße im Bahnhof ihre Ware empfangen oder verladen haben gab es eine Vielzahl von sogenannten Privatanschlüssen. Ein Werk, Betrieb oder Lager hatte eine Weiche und ein Gleis, auf dem die Wagen bereitgestellt wurden. Auch bei der WLE gab es einige dieser Anschlüsse. Viele eigenen sich für den Nachbau auf einem Modul.

Beginn

Das älteste Dokument zu Heidberg, etwa 1942 (Archiv WLE)

Dieser Gleisplan vom „Bahnhof Heidberg“ lässt die Zeit der Entstehung der Anlagen erkennen. Die „Wirtschaftliche Forschungsgesellschaft“ (WiFo) ist eine Gründung aus dem Jahr 1934, welche für die Beschaffung, Lagerung und Herstellung von kriegswichtigen Rohstoffen zuständig war und damit die Logistik der Wehrmacht sicherstellen sollte. In der Region Brilon wurden einige geheime Anlagen zur Herstellung und Lagerung von Kraftstoffen eingerichtet. Das Tanklager auf dem Heidberg gehörte dazu. Hier wurden die in den umliegenden Fabriken hergestellten Produkte gelagert und in Fässer oder Kanister abgefüllt. Über Anlieferung in Kesselwagen oder Abfuhr in normalen Güterwagen liegen keine Unterlagen vor. In einer Bereisung der Möhnetalbahn durch die Bahnaufsicht Münster am 12. November 1935 ist noch kein Bahnhof oder Anschluß Heidberg vermerkt.

Luftbild Heidberg 1953, nicht genordet (Sammlung Riegel)

Auf dem Luftbild sind noch Jahre nach Kriegsende die runden Flächen der Lagertanks und der Löschteich oben rechts zu erkennen. Es wird erzählt, dass die Elemente der Tanks von der britischen Army abgebaut und in England zu einem neuen Tanklager wieder errichtet worden sein sollen.

Passend zum obigen Luftbild die Gleisanlagen etwa 1960 (Archiv WLE)

Weitere Informationen zu den WiFo Anlagen finden sich auf dieser Webseite:

http://www.altenbekener-eisenbahnfreunde.de/Altenbeken/Wifo/wifo.html

Brücke über die Möhne (Archiv WLE)

An der Ausführung der Brücke über die Möhne in moderner Betonbauweise läst sich ersehen, das dieser Anschluß für große Achslasten gebaut worden ist.

Terrazzo

Terrazzo Fußboden (Netzfund)

Fußbodenbelag unter dem Namen Terrazzo gibt es bereits seit der Antike. Anwendung hatte er in Kirchen und öffentlichen Gebäuden. Aber besonders seit der Gründerzeit wurde diese Art der Fußböden vermehrt eingesetzt. Neben Ziegelbruch wurden typischerweise Marmor, Kalkstein und Dolomit verwendet. Bis in die Zeit des Wiederaufbaus nach dem zweiten Weltkrieg wurde Terrazzo auch in Wohngebäuden für Böden in Treppenhäusern, Küchen und Bädern verwendet. An der Möhnetalbahn der WLE waren und sind einige Zulieferer für dieses Handwerk ansässig. Zur weiteren Vertiefung hierzu sein der in den Quellen genannte Beitrag aus der ARD.Mediathek empfohlen.

Im Jahr 1921 wurde in Belecke die Firma Risse und Osterholt mit dem Unternehmenszweck gegründet Bodenleger mit den benötigten Steinkörnungen zu beliefern. Aus den Jahren 1924 und 1926 gibt es einige Anträge für die Errichtung von weiteren Lagergebäuden an den Gleisen der WLE am Belecker Rangierbahnhof.

1952 erwarb Risse die Anlagen auf dem Heidberg und errichtete dort ein Werk für die Herstellung der verschiedenen Körnungen aus unterschiedlichen Gesteinen. In den 1970er Jahren wurde dieses Werk vom Sohn des Firmengründers an einen Mitbewerber aus dem südlichen Sauerland, die Firma Montenovo, Hans Heitmann KG verpachtet. 1999 wurde die Heitmann Gruppe an den internationalen Konzern Saint-Gobain Weber GmbH verkauft. Aus diesem Konzern konnte die Familie Risse 2018 den Betrieb am Heidberg wieder in das Familienunternehmen zurückholen.

In den WLE Unterlagen sind häufig Unklarheiten mit den Namen der Besitzer von Anschlußgleisen oder verpachteten Lagerplätzen oder Gebäuden zu finden. Somit lassen sich auch nur schwer undatierte Pläne einem bestimmten Zeitraum zuordnen. Die Firmengeschichte dieses Anschließers konnte trotzdem erforscht werden.

Im Anschluß

Das obere Anschlußgleis, September 1981 (Foto: Köstner)
An der Anlieferung zu den Lagertaschen, 1981 (Foto: Köstner)
Typische Wagen bei der Bedienung: Tds und BT, September 1981 (Foto: Köstner)

Eine Bedienungsfahrt auf der Möhnebrücke, 1978 (Foto: Archiv WLE)

Rückfahrt nach Belecke, 27. Juli 1977 (Foto: Jördens)
Bedienfahrt im Anschluß in den 1970ern (Foto: Archiv WLE)

Betrieb

Nach der Stillegung der Möhnetalbahn zwischen Soest Süd und Belecke Rangierbahnhof zum 17. April 1970 wurden die Leitungswege für Güterwagen auch für die Reststrecke bis Brilon Stadt über Neubeckum gelegt. Auch für DB Bahnhöfe zwischen Büren und Brilon wurden Wagen über die Möhnetalbahn befördert. Hierfür wurden zusätzlich Durchgangsgüterzüge eingelegt. Dieser Zeitraum 1970 bis 1978 brachte so die höchste Dichte an Güterzügen auf diese Strecke.

Buchfahrplan Sommer 1972 (Sammlung Riegel)
Bedienungsfahrt nach Heidberg am 23. April 1973 (Foto: Tack)
Wegen des Gefälles in Richtung Belecke bleibt der Restzug im Streckengleis vom Packwagen gesichert, Buchfahrplan von Sommer 1972 (Sammlung Riegel)

Vom 6. Oktober 1975 an wurde die Strecke zwischen Heidberg und Brilon stillgelegt. Um den Kunden in Heidberg weiter bedienen zu können mußte eine Umsetzmöglichkeit am Streckengleis geschaffen werden. Diese wurde 1979 gebaut.

Anschluß mit Umfahrgleis nach 1980 (Archiv WLE)
Neubau an der Möhnebahn (Foto: Archiv WLE)

Modell

Sicher ein besonderes Projekt mit dem Streckengleis an der Provinzialstraße, der Überquerung der Möhne und den langen Anschlußgleisen. Aber der Einsatz von Tds und BT für die Rohstoffe und Schiebewandwagen für die gesackte Fertigware auf Paletten bietet interessante Einsatzmöglichkeiten.

Quellen

Sammlung Christoph Riegel

https://www.riosit-steinwerk.de

Archive WLE, Lippstadt und Soest

https://www.ardmediathek.de/video/handwerkskunst/wie-man-einen-terrazzoboden-giesst/swr/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzE5NDQwODM

web.archive.org/altenbekener-Eisenabhnfreunde / Wifo

https://de.wikipedia.org/wiki/Terrazzo

Diverse Netzfunde