Anröchte

Anröchte und Umgebung mit Steinbrüchen (Foto: Google Earth)

Steine

Vom Anröchter Stein, der häufig fälschlicherweise als Anröchter Dolomit bezeichnet wird, gibt es zwei unterschiedliche gefärbte Natursteine. Es gibt einen grünen Typ, auch Grünsandstein, Grünstein genannt, und einen bläulich gefärbten Typ, Anröchter Blau. Es handelt sich um ein Kalksteinvorkommen, das in der Soester Börde gewonnen wird. Diese Natursteine stammen aus dem Turonium, einer Stufe der Oberkreide.

Die Stammbahn von Lippstadt nach Warstein mit Anröchte in der Mitte (Sammlung Riegel)

Technisch betrachtet haben nur die Gesteine Bedeutung, die früher bei Soest, Werl, Anröchte und Rüthen (siehe auch Beitrag „Altenrüthen“) abgebaut wurden. Der Name Grünsandstein stammt von den ansässigen Bergleuten. Die Bergleute verwenden diesen Begriff für alle dort vorkommenden Sande, sofern sie verfestigt und grüngefärbt sind. Der Gehalt an Sandkörnern ist beim Anröchter Stein und bei den anderen jedoch derart gering, dass man besser von sandigen Kalksteinen sprechen sollte. Das Vorkommen ist um Soest 20 bis 25 Meter mächtig und um Rüthen lediglich 3 bis 4 Meter. Es sind sieben Steinbrüche bei Anröchte in Betrieb. Die Anröchter Steinbänke erreichen eine Mächtigkeit von 2 Metern. Gewonnen wird das Gestein aus zwei Banklagen, wobei die obere Bank blau- und die untere grüngefärbt ist.

Steinbruch nördlich von Anröchte (Foto: Klose, LWL Medienzentum)
Steinbruch nördlich von Anröchte (Foto: LWL Medienzentrum)

Auf beiden Fotos aus dem Jahr 1954 sind die Feldbahnen gut zuerkennen. Sie werden uns noch im Umfeld des Bahnhofs wieder begegnen.

Bahnhof

Gleisplan Anröchte etwa 1950 (Sammlung Riegel)
Ausschnitt aus dem obigen Gleisplan, Einfahrt von Lippstadt
Desgleichen aus Richtung Warstein

Der Gleisplan stammt aus einer Zeit, in der bei der WLE über die Automatisierung des Betriebs nachgedacht und geplant wurde (she. Beitrag „Hintergrund – Betriebsrationalisierung“). Auf jeden Fall sind die vielen Anschlußgleise im Bahnhof gut zu sehen. Auf den meisten Rampen an diesen Gleisen waren in gestrichelter Darstellung die Feldbahngleise eingezeichnet. Teilweise führten die Feldbahnen direkt aus den Steinbrüchen zum Bahnhof, teilweise erst auf die Höfe der Steinbruchbetrieber um hier die rohen Steine weiter bearbeiten zu können. Diese Kunden hatten eigene Anschlußgleise:

Im Luftbild von 1966 sind die Betriebe teilweise noch zu erkennen (Sammlung Riegel)
Einen weiteren Überblick gibt der verzerrte Gleisplan (Sammlung Riegel)

Auf diesen Plan ist zu sehen, dass nur 295m des Bahnhofs in der Waagerechten lagen. Richtung Lippstadt beträgt das Gefälle 1:50, daher auch das lange Ausziehgleis 16 um in den Gleisen 4 bis 9 sicher rangieren zu können. Die Steigung Richtung Warstein beträgt auf den ersten Metern 1:57, ändert sich dann aber auch auf 1:50.

Zeitschiene

Old 1928

Es liegt ein Fahrplan für das Jahr 1933 vor, aus dem die Fahrzeiten entnommen werden konnten. Die Personenzüge P 1 bis P 10 kreuzen jeweils in Belecke, auch mit den Zügen der Möhnetalbahn.

Die Lok vom Ng 301 fährt als Lz 312 noch einmal nach Erwitte um von dort weitere Wagen als Ng 303 abzuholen.

Am Nachmittag wird zwischen Ng 305 und Ng 306 über etwa 2 1/2 Stunden rangiert.

Es ist davon auszugehen, dass 10 bis 20 Güterwagen pro Tag beladen werden.

Ein Personenzug bei Anröchte, vielleicht P5? (Foto: Archiv WLE)
So könnte die Rückfahrt des Ng 306 ausgesehen haben, vielleicht wird aber auch nur der Anschluß Schulte bedient? (Foto: Archiv WLE)

IIIa 1955

Es fahren noch alle 10 Personenzüge. Neu hinzugekommen sind die Uerdinger Triebwagen, von denen in den Morgenstunden zwei Fahrten bis nach Münster durchgeführt werden. Neben dem Pt 1939, der als Leertriebwagen nach Anröchte kommt, ist der Eiltriebwagen 825 von Warstein neu im Fahrplan. Dieser fährt als letzter Zug des Tages nach Warstein zurück.

Neu sind auch die Dg – Züge für den Steintransport in Omi Wagen, bzw. die entsprechenden Leerzüge nach Warstein.

Die Bedienung von Anröchte erfolgt über den Ng 301 und die bekannten nachmittäglichen Nahgüterzüge, die in diesem Fahrplan schon nur noch nach Bedarf fahren. Abends rangiert der Ng 304 noch eine halbe Stunde in Anröchte.

Auszug aus dem Bildfahrplan vom Sommer 1957. Der Leerzug und der frühe Triebwagen sollen ab der nächsten Fahrplanperiode von einem Dampfzug gefahren werden und der Eiltriebwagen von Warstein ist bereits Geschichte. Der Einsatz von drei Triebwagen in drei Umläufen konnte nicht gehalten werden.

Zeit zum Rangieren für den Ng 301 ist von 5.55 Uhr bis etwa 6.40 Uhr.

(Sammlung Riegel)

Ebenfalls 1957 werden die Strecken der Stammbahn schon im Zugleitbetrieb befahren. Nur Anröchte (und Erwitte) ist noch mit einem Fahrdienstleiter besetzt. In Belecke und Lippstadt hat jeweils ein Zugleiter seinen Dienstposten. (Sammlung Riegel)
Im Januar 1959 könnte dies der P 3 gewesen sein (Foto: Agethen, Sammlung Marx)

IIIb 1961

Nach der Einstellung der Personenzüge auf der Möhnetalbahn wurden auch viele Züge auf der Stammbahn durch Busse ersetzt. Übrig blieb der Rest vom P 1, der jetzt erst ab Anröchte Personen befördert. Die Personenwagen sind an der Spitze des Ng 301 eingestellt und werden von der Diesellok als P 1 ab Anröchte nach Warstein gebracht. Hierzu wird die Ankunft des Pt 11 von Lippstadt abgewartet.

Für die Beförderung der Güterwagen des Ng 301 fährt eine Dampflok als Lz 300 von Warstein nach Anröchte und folgt dann mit Ng 301 dem P 1.

Ansonsten sind die Schülerzüge P 2 und P 5 geblieben und die Zahl der Stein Dg hat deutlich zugenommen.

Kurz vor Mittag wird Anröchte mit der Erwitter Rangieranbteilung bei Bedarf bedient und der Ng 304 rangiert abends noch eine halbe Stunde.

Das Stellwerk ist nur noch von 5.02 Uhr bis 6.01 Uhr und bei Bedarf von 11.09 Uhr bis 11.30 Uhr besetzt.

Der Vormittag auf der Stammbahn Sommer 1961. Die farbigen Linien sind jeweils einer Lokomotive zugeordnet. (Sammlung Riegel)

Im Sommer 1965 hat der Fahrplan seinen Stand für die nächsten 10 Jahre bis zur Einstellung des Personenverkehrs erhalten.

Der morgendliche Triebwagen Pt 11 und Pt 1637 und die Schülerzüge P 2 und P 5 dienen dem Personenverkehr.

Die Anzahl der Züge für den Kalksteintransport mit vier Vollzügen nach Kalköfen wird ebenfalls lange so bleiben.

Die Bedienung von Anröchte ist komplett auf die Üb 313 und 314 übergegangen. In der Zeit zwischen 10.14 Uhr und 11.25 Uhr bedient der Zugführer der Übergaben das Stellwerk. Den Rest des Tages ist Anröchte unbesetzt.

Am 3. September 1966 ist dem P 5 ein Gesellschaftswagen für die Eisenbahnfreunde Hannover beigestellt (Foto: Frenz, Sammlung EFW)
Vom 313 und 314 wird auch der tägliche Stückgut Kurswagen befördert, man beachte die Ladehinweise (Foto: Junker, Eisenbahnstiftung)

IV 1971

Wie beschrieben hat sich der Fahrplan nicht, oder nur wenig im Güterverkehr verändert. Ein neuer Großkunde, die EDEKA Genossenschaft Anröchte mit ihrem neuen Großhandelslager am Südrand der Stadt Anröchte, brachte nicht die erhofften hochwertigen Güterströme.

Der P 5 etwa 1971 (Foto: Archiv WLE)
Ebenfalls der P 5 im Jahr 1973 (Foto: Gerke, Sammlung CvN)
Eine Henschel Probelok mit dem Üb 313 im Mai 1974 (Foto: Sammlung Riegel)

Gebäude

Das Empfangsgebäude von der Straßenseite in den 1950ern (Foto: Risse, Archiv WLE)
Eine Übersicht 1966 (Foto: Todt, Sammlung EFW)
Februar 1971 wird das Stellwerk abgerissen (Fotos: Agethen, Sammlung Marx)
Was blieb? Der Gleisplan 1984 (Sammlung Riegel)

Modell

Für einen Bahnhof der FREMO Privatbahn sicher ein lohnendes Vorbild. Von Old bis Epoche IV mit viel Rangierspaß bei einem angepassten Fahrplan. Hier der Gleisplan mit vorbildgerechten Weichen auf Kästen von 50 x 120 cm geplant.

(Entwurf: Rasch)

Quellen

Sammlung Christoph Riegel
Archiv WLE, Lippstadt und Soest

FREMO WLE Zoom Oktober 2021
Diverse Netzfunde