Ein typischer Tag
Nachdem wir Neulippertor jetzt kennen gelernt haben wollen wir einmal schauen, was an einem normalen Sommer Mittwoch im Jahr 1963 so im Bahnhof passiert.
4.00 Uhr Der Zugleiter hat Dienstbeginn, ein Schuppenheizer sorgt dafür, dass die Ruhefeuer aufgefüllt werden und der Kesseldruck steigt.
5.00 Uhr Dienstbeginn für den Fahrdienstleiter im Stellwerk. Lokführer und Heizer des Diensts „Ort früh“ finden sich am Lokschuppen ein, Zugführer und Schaffner zum gleichen Dienst treffen sich in der GA um die Unterlagen zu sichten. Es sind einige Wagen aus den Ladestellen und Anschlüssen abzuholen und die leeren Wagen für Stückgut bei Ratte, AEG und Diadem bereitzustellen.

Diese werden bei der Ausfahrt aus dem Bw vom Güterschuppengleis aufgenommen und Zugführer und Schaffner steigen auf. Zuerst werden Ratte, Löwengas und Rosenkranz bedient, da mit zunehmender Wagenzahl auf Gleis 33 diese nicht mehr erreicht werden können. Dann geht es in die Rothe Erde.
Die erste Zugfahrt des Tages ist der Frühtriebwagen vom Endbahnhof Großalmerode nach Hoffnungsthal, dem DB Anschluss. Da dort ein Umsetzen der Beiwagen schlecht möglich ist, bleiben diese am Bahnsteig stehen. Diese Wagen sind nur mit Pendlern zu den umliegenden Betrieben besetzt, wer weiter fahren will sitzt bereits im Triebwagen, die regelmäßigen Mitfahrer der Westlippischen wissen das.
6.00 Uhr Der zweite Triebwagen fährt von der Abstellgruppe an den Bahnsteig, nimmt die Beiwagen auf und fährt in Richtung Großalmerode aus.
Jetzt rückt die Lok für den ersten Leerzug aus dem Bw, nimmt in den Abstellgleisen einen Packwagen auf und fährt nach Gleis 4. Hier wurde als letzte Rangierfahrt des Vortages ein Leerzug aus Otm, Omi und Fd bereitgestellt. Nach Bremsprobe und Zugmeldung des vorher fahrenden Triebwagens beim Zugleiter darf dieser Zug ebenfalls Richtung Großalmerode aufbrechen.
Aus Hoffnungsthal kommt der Triebwagen zurück und hat, sofern der Übergang geklappt hat, die Orts- und Kurswagen für die Westlippische und sonstige Eilwagen dabei. Dieser Anhang wird auf dem Güterschuppengleis abgestellt. Nach kurzem Halt am Bahnsteig geht es für den Triebwagen ebenfalls auf die WLE Strecke.
7.00 Uhr Die Ortslok kommt aus der Rothen Erde zurück und sortiert das Mitgebrachte über die Weichen 9 und 10 nach Gleis 3 und die Abstellgleise aus. Wagen zum Übergang DB werden in Gleis 33 und 3 abgestellt, verfügte Leerwagen für die Westlippische werden später in die Rangiergruppe mitgenommen. Zwischenzeitlich verschafft sich der Zugführer / Rangierleiter einen Überblick über das, was der Triebwagen von der DB mitgebracht hat: zwei Ortswagen Lippertor -> bleiben am Schuppen, ein Ortswagen Großalmerode und der tägliche Kurswagen für Allagen und Sendenhorst -> gehen mit in die Rangiergruppe, zwei Kühlwagen mit Tomaten und Trauben für Central Import und ein Kühlwagen vorgekühlt für Kleegold. Diese werden mit den Wagen für die Rangiergruppe mit nach Gleis 4 genommen und beim Central Import sofort zugestellt.
Zuvor stört aber der morgendliche Schülerzug vom Großalmerode nach Hoffnungsthal das Rangiergeschäft.
Schließlich macht sich als dritte Lok die für den Nahgüterzug vom Bw mit einem Packwagen auf den Weg vor das Grenzweichen der Weiche 4. Freundlicherweise können die Kollegen auch den Wagen für Kleegold mitnehmen und dort zustellen. So entfällt „einmal drumrum“.
8.00 Uhr Aus Hoffnungsthal kommt die leere Personenzuggarnitur des Schülerzuges zurück und wird in den Abstellgleisen geparkt. Die Lok fährt ins Bw.
Nachdem die Ortslok das Gleis bei Rahmer und Central Import aufgeräumt hat und die Tomaten und Trauben zugestellt sind, ist für die Kollegen erst einmal Frühstück.
Denn in das Gleis 2 ist die erste DB Übergabe eingefahren und blockiert Weiche 11. Nach Ein- und Abfahrt des zweiten Triebwagen mit den Beiwagen von Großalerode nach Hoffnungsthal setzt die DB Lok über den Bahnhofskopf bis vor die Weiche 16 um und drückt auf Gleis 3 / 33 den Ausgang zusammen. Nach Bremsprobe wird vorgezogen zum Ausfahrsignal und nach Hoffnungsthal abgefahren. So erreichen die Ausgangswagen von der Rösslerseite des Bahnhofs meist erst die zweite Abfuhr.
Der Zugführer des Ng, dessen Lok die Eingangswagen langsam in Richtung Rangiergruppe schiebt, hat mittlerweile mit dem Aufschreiben dieser Wagen begonnen. Das Ausrangieren und Bilden des Ng wird die Kollegen bis gegen 11 Uhr beschäftigen.

Soweit die ersten vier Stunden des Tages. Da man nicht über 10 Minuten reden und nicht über drei Seiten schreiben sollte, einige weitere Abläufe im Bahnhof in Kurzform:
- Der Solo-Triebwagen fährt von Großalmerode nach Hoffnungsthal und kehrt zusammen mit den Kollegen vom anderen Triebzug und den Beiwagen zurück (erspart das Umsetzen).
- Bevor der Nahgüterzug auf die Strecke geht trifft die zweite Übergabe der DB ein, meist aus einem anderen Schattenbahnhof / Rangierbahnhof. Wenn Eilwagen für die Strecke in diesem Zug sind, werden diese möglichst noch in den Ng eingestellt. Für den Rest gibt es am Nachmittag noch einen Bedarfs Ng auf der Strecke.

- Die Ausgangswagen von der Strecke kommen gegen Mittag mit der Lok des leeren Steinzuges in einem Sammler Ng in Lippertor an und werden gleich von der DB Lok der zweiten Übergabe abgefahren.
- Mit einem Triebwagen am Nachmittag wird ein Milchkannenwagen für Kleegold befördert, der vom Bahnsteig gleich zugestellt werden muss.
- Die Wagen des vollen Steinzugs müssen behandelt werden, Otm -> DB, Fd -> Zementwerk Rothe Erde, Omi -> Kippstelle in der Rangiergruppe.

- Eine dritte Übergabe der DB muss aufgeschrieben und ausrangiert werden.
- Zwischendurch müssen die Schüler und Pendler wieder nach Hause fahren können.
Es ist immer viel los in Neulippertor. So, oder ähnlich, kann man das auf dem Treffen in Cloppenburg, Bonn oder Rheda erleben, oder gleich mitspielen.
Hiermit endet vorerst die Beschreibung. Neuigkeiten und Ergänzungen werden in lockerer Folge nachgetragen.