DL 101 bis 109

Vorwort

Bis zum Herbst 1903 waren alle Strecken der Westfälischen Landes Eisenbahn eröffnet und das Netz auf über 260 km Länge gewachsen. Es waren aus den Anfangsjahren und den Neulieferungen von 1901/02 insgesamt 34 Lokomotiven vom Typ T3 (oder ähnlich) vorhanden, mit denen der Betrieb abgewickelt wurde. Die Stammbahn Lippstadt – Warstein über den Haarstrang stellte große Anforderungen an diese Maschinen.

Höhenprofil Lippstadt – Warstein (Archiv WLE)

Diese „Teckel“ wurden von Hohenzollern und Borsig geliefert. Für den stark wachsenden Güterverkehr auf der Stammbahn wurden 1904 bei Hanomag fünffach gekuppelte Lokomotiven nach dem „Helmholtz-Gölfsdorfschen Prinzip“ angefragt. Diese Lokomotiven sollten die ersten dieser Art bei Bahnen in Deutschland sein. Das Vorbild für diese Loks ist in Österreich zu finden. 

101 bis 103

Genehmigungszeichnung von 1904 (Archiv WLE)

Entgegen der genehmigten Zeichnung wurden die Maschinen nicht mit einem Überhitzer als Heißdampfloks geliefert. Somit entfiel der vordere Dom für den Überhitzer. Es kamen Flachschieber zum Einsatz, die eine sehr niedrige Lage des Kessels von 2380 mm ermöglichten. Die erste und fünfte Achse waren um 26mm Seitenverschiebbar. Bei der dritten Achse, der Antriebsachse, war der Spurkranz geschwächt. Die Lokomotiven verfügten über eine Hardy- und eine Dampfbremse, Druckluftbremsen wurden erst 1928/29 eingebaut.

Die Lok 102 wurde als Erste am 20. Februar 1905 geliefert. Lok 101 folgte am 3. März 1905 und Lok 103 am 10. April 1905.

Aus dem Betriebsmittelverzeichnis (Sammlung Riegel)
Lok 101 in Warstein (Foto: Archiv WLE)

Im Betrieb

Durch die Aufschreibungen des Lehrlokführers sind für den Zeitraum 1948 bis 1954 die folgenden Einsätze belegt. Für die Zeiträume danach bis 1959 liegen die Einsatzplanungen des Betriebsbüros vor.

101

Im ersten Halbjahr 1948 bei Henschel in Kassel zur Instandsetzung.

Sommer 1949 bis Sommer 1950 – Warstein, Rangierdienst und Personenzüge nach Lippstadt

Danach liegen keine Einsatzmeldungen mehr für diese Lok vor. Sie wurde 1955 verschrottet.

Gruppenbild mit Lok 101 (Foto: Archiv WLE)

102

Bis Oktober 1948 Einsätze vor Personenzügen von Lippstadt nach Neubeckum oder Warstein. Nach einer L2 Ausbesserung ab Juli 1950 zwischen Warendorf und Münster meist mit Personenzügen unterwegs und ab 1954 dann im Rangierdienst in Ennigerloh eingeplant. Hierzu gehörte auch der Nahgüterzug von Neubeckum bis Sendenhorst und zurück.

Die Lok wurde 1955 verschrottet.

Zwei Schwestern in Soest Thomaetor (Foto: Archiv WLE)

103

Für den Sommer 1951 sind Einsätze vor den ersten Steinzügen zwischen Warstein und Neubeckum aufgeschrieben, im Sommer 1954 wird von Münster aus vor Nahgüterzügen gefahren.

Die Lok wurde zum Ende 1956 als Schrott verkauft.

104 und 105

Übersichtszeichnung 1922 (Archiv WLE)

Siebzehn Jahre nach den ersten drei Lokomotiven mit fünf angetriebenen Achsen bestellte die WLE zwei weitere Maschinen dieses Typs bei Hanomag. Es wurden sehr wenige Änderungen zu den Erstlieferungen berücksichtigt. In den Zylindern wurden nun Kolbenschieber eingebaut, wodurch der Kessel höher eingebaut werden musste. Die Kesselmitte lag nun bei 2650 mm. Dampfdom und Schlot wurden kürzer. Die Loks sahen etwas moderner aus, was aber nicht der Wirklichkeit entsprach. Es wurden Nachbauten der erfolgreichen Lieferung von 1905.

Die Auslieferung erfolgte erst, nachdem Streitigkeiten über Preissteigerungen durch die herrschende Hyperinflation beigelegt wurden. Lok 104 wurde am 17. November 1922 ausgeliefert, Lok 105 folgte am 23. desselben Monats.

Luftdruckbremsen wurden auch hier erst 1928 / 29 eingebaut. Lok 104 wurde zwischen Oktober 1948 und dem 8. November 1949 auf Heißdampf umgebaut. Dieser Umbau war bei Lok 105 schon am 10. März 1936 beendet worden.

Fabrikfoto Hanomag (Foto: Archiv WLE)

Im Betrieb

Durch die Aufschreibungen des Lehrlokführers sind für den Zeitraum 1948 bis 1954 die folgenden Einsätze belegt. Für die Zeiträume danach bis 1959 liegen die Einsatzplanungen des Betriebsbüros vor.

104

Im ganzen Jahr 1950 sind Einsätze zwischen Münster und Neubeckum vor Personen- und Nahgüterzügen nachgewiesen, welche auch 1954 noch gefahren werden.

DL 0104 im November 1960 abgestellt in der Hauptwerkstatt (Foto: Archiv WLE)

Die Lok wurde 1960 zur Verschrottung verkauft.

105

1948 ist die Lok im Möhnetal vor Personen- und Güterzügen unterwegs. Nach einer L4 ist sie ab Mai 1950 in Münster stationiert und fast ausschließlich im Personenverkehr, teilweise auch als Triebwagenersatz im Einsatz. 1955, nach einer weiteren Zeit in der Hauptwerkstatt, fährt sie sehr häufig den klassischen Münster Umlauf: morgens mit dem P-Zug nach Neubeckum und zurück, vormittags Nahgüterzug bis Sendenhorst und zurück und abends dann den P 156 nach Neubeckum und den Ng 603 zurück nach Münster.

Lok DL 0105 im Jahr 1957 vor dem Lokschuppen in Münster Ost Pbf (Foto: Archiv WLE)
DL 0105 am 10. August 1960 abgestellt (Foto: Archiv WLE)

Auch diese Lok wird 1960 zur Verschrottung verkauft.

106 und 107

Übersichtszeichnung 1928 (Archiv WLE)

Diesmal dauerte es nur sechs weitere Jahre bis die nächsten Fünfkuppler bei Hanomag bestellt wurden. Allerdings handelte es sich bei diesen um völlige Neuentwicklungen, die auch von den zu dieser Zeit in Hannover im Bau befindlichen Einheitslokomotiven der Reichsbahn beeinflusst wurden. Der Kessel wurde größer und leistungsfähiger und bekam eine Überhitzereinrichtung. Die Kesselmitte lag nun bei 2800 mm. Auch wurde von Anfang an mit Druckluft gebremst. Viel war an diesen Lokomotiven nicht mehr zu verbessern und so fanden sie auch Eingang in die Angebotslisten von Hanomag Nachfolger Henschel in Kassel. Die Auslieferung der 106 erfolgte am 27. August 1928 und die der 107 am 13. September 1928. Somit ist das Abnahmedatum für beide Loks, welches in zahlreichen Publikationen mit dem 6. November 1928 angegeben wird, nur auf die Landesaufsichtliche Abnahme zu beziehen.

Lok 106 erhielt noch 1956 einen Henschel Mischvorwärmer und elektrische Beleuchtung. Elektrik wurde bei der 107 schon 1949 eingebaut und 1957 ein Mischvorwärmer. Im Rahmen dieser Hauptuntersuchungen wurden auch die Kohlenvorräte durch Aufbauten hinter dem Führerhaus vergrößert.

Aus dem Betriebsmittelverzeichnis (Sammlung Riegel)
Lok 106 am 25. August 1950 in Soest Thomaetor (Foto: Archiv WLE)

Im Betrieb

Durch die Aufschreibungen des Lehrlokführers sind für den Zeitraum 1948 bis 1954 die folgenden Einsätze belegt. Für die Zeiträume danach bis 1959 liegen die Einsatzplanungen des Betriebsbüros vor.

106

1948 bis 1950 wird im Möhnetal gefahren, meist mit Güterzügen, aber auch vor Personenzügen. Dieses ist auch 1954/1955 so. Erst im Mai 1955 erfolgt ein Einsatz vor einem Steinzug.

Wassernehmen in Belecke 1960, DL 0106 (Foto: Archiv WLE)
DL 0106 1962 in der Hauptwerkstatt (Foto: Gerke, Sammlung CvN)

Die Verschrottung in der Hauptwerkstatt wird mit Dezember 1963 angegeben.

107

Ab August 1948 ist auch die Schwesterlok im Möhnetal im Einsatz, wo sie auch 1954/1955 weiter tätig ist.

Nach Vermerken in den Umlaufplänen der Triebfahrzeuge sind im Sommer 1961 Einsätze von Warstein aus geplant. Es wird früh morgens Lz nach Anröchte gefahren um die Wagen des Ng 301 abzuholen (siehe auch Beitrag über den Personenverkehr in diesem Jahr). Danach wird Ng 425 / 426 von Belecke nach Brilon Stadt und zurück bespannt und einige Steinzüge von Belecke bis auf die Haar nachgeschoben. Dieser Umlauf ist auch für die 106 am 10. Juni 1961 fotografisch belegt.

1961 rangiert DL 0107 in Warstein (Foto: Gerke, Sammlung CvN)
Das klassische Bild der DL 0107 in Belecke Rbf (Foto: Wolff, Archiv WLE)

Auch die 107 wurde im Dezember 1963 in Lippstadt verschrottet. 

108 und 109

Lok 109 am 25. August 1950 in Soest Thomaetor (Foto: Ott, Archiv WLE)
Zum Vergleich Lok 108 am selben Tag in Warstein (Foto: Ott, Archiv WLE)

Wie in so machen anderen Fällen auch hat die WLE noch zwei weitere Fünfkuppler gebraucht gekauft. Lieferant auch für diese Maschinen war die Firma Erich am Ende in Berlin. Diese preiswerte Nachbeschaffung wurde durch den stark ansteigenden Güterverkehr ab 1933 nötig.

Bei der WLE 108 handelte es sich um die 1909 gebaute ehemalige Breslau 8137, später 94 263 welche im Dezember 1934 bei der Reichsbahn ausgemustert wurde. Sie trat ihre Reise nach Lippstadt am 17. Dezember 1934 an. Sie war die erste Preußische T16 mit Antrieb auf die dritte Achse, nach WLE-Vorbild.

Um die 109 ranken sich einige Geschichten um den zwischenzeitlichen Eigentümer in Neustrelitz. Die Lok war ebenfalls bei Schwartzkopff gebaut worden und 1913 als Erfurt 8143 in Betrieb gegangen. Die spätere Nummer war die 94 423. Das Bw in Neustrelitz verlies die Lok am 13. Dezember 1935.

Beide Loks erhielten 1948 / 49 Doppelverbund Luftpumpen und 108 im Jahr 1951 einen Kohlekastenaufbau. 109 wurde vom November 1948 bis zum 27. April 1949 bei Henschel Hauptuntersucht und erhielt hierbei neue Zylinder. In den Jahren 1955 / 56 wurden bei beiden Loks Mischvorwärmer eingebaut. 

Im Betrieb

Durch die Aufschreibungen des Lehrlokführers sind für den Zeitraum 1948 bis 1954 die folgenden Einsätze belegt. Für die Zeiträume danach bis 1959 liegen die Einsatzplanungen des Betriebsbüros vor.

108

1950 und 1952 fährt die Lok im Lippstädter Personenzugplan 3 Zugpaare täglich nach Warstein. 1954 ist es hauptsächlich der Güterzugdienst, der früh morgens in Lippstadt mit dem Nahgüterzug nach Beckum und zurück beginnt und am Abend mit dem letzten Stein-Leerzug nach Lippstadt endet. In der Planung ist sie als Reservelok in Lippstadt für diese Dienste ausgewiesen. 1955 scheint sie die Ablösung der 106 in Soest zu sein und ist hier vor allen Zuggattungen im Einsatz.

DL 0108 am 25. August 1950 mit P3 in Mellrich (Foto: Ott, Archiv WLE)

Die Lok wird im Juli 1962 als Schrott verkauft.

109

Sie ist von 1949 bis 1951 wohl Stammlok in Soest, ebenso 1954 / 1955, aber jeweils mit wenigen nachgewiesenen Einsätzen. Im Plan 1959 ist sie wieder in Soest, fährt den Ng nach Belecke, rangiert mittags in Warstein und fährt abends den Ng von Belecke zurück nach Soest.

1951 rangiert DL 0109 im Anschluß Siepmann in Belecke Rbf (Foto: Archiv WLE)

Im Juli 1963 wird die Lok in Lippstadt verschrottet.

Zusammenfassung

Mit neun Lokomotiven sind die Fünfkuppler die am stärksten vertretene Bauart bei der WLE, abgesehen von den T3 – ähnlichen. Der Erfolg seit der Einführung 1905 konnte nur von der neuen Dieseltechnik der Deutz Motorlokomotiven gebrochen werden.

Die Einsatzzeiten ab 1948 (Grafik Riegel)

Modell

Natürlich war auch für die Westlippische Eisenbahn im Modell die Beschaffung von Fünfkupplern nötig.

Den Anfang machte Ralf mit einer umgebauten Flm BR 94 und der Nummer DL 0110. Diese Lok steht der Westlippischen leider nicht mehr zur Verfügung. Bei mir folgte dann eine Piko 94, sie erhielt die Nummer DL 0112.

In der Hauptwerkstatt bei Ole wartet noch ein Teichmannfahrwerk auf ein paar Teile von Westmodell um zu einer DL 0108 zu werden. Und ein Brawa Modell um zur DL 0105 zu werden.

DL 0112 als Bremslok auf der Fladunger Steige beim FREMO Treffen Rh25 (Foto: Hoffmann)

Quellen

Sammlung Christoph Riegel

Fiegenbaum, Hütter, Schwere Brocken Band 1, Herdam Fotoverlag

Risse, Krause, Die Dampflokomotiven der WLE, DGEG Medien

Kückmann, Beyer, Von Warstein bis ins Münsterland, DGEG Medien

Archiv WLE in Soest und Lippstadt

FREMO WLE Zoom Dezember 2025

Diverse Netzfunde