
Ennigerloh war über die Jahrhunderte ein Bauerndorf mit abhängigen / leibeigenen Bauern und gehörte zu wechselnden Landesherren. Dies änderte sich erst mit der französischen Besetzung unter Napoleon und danach mit der Zugehörigkeit zu Preußen ab 1815. Als größerer Ort wurde ein Amt zur Verwaltung der Umgegend eingerichtet. Es blieb aber bei der landwirtschaftlichen Bodennutzung.
Die Eröffnung der Köln-Mindener-Eisenbahn am 15. Oktober 1847, welche eine Bahnstation mittig zwischen Ennigerloh und Beckum einrichtete, brachte deutliche Veränderungen. Nun wurden die in der Gegend vorhandenen Kalkvorkommen abgebaut, verarbeitet und zum Versand an die Ruhr gebracht. Aus der Kalkindustrie entwickelte sich vor 1900 eine starke Portlandzementindustrie. Die Gegend um den Bahnhof an der Köln-Mindener-Bahn wurde am 1. April 1899 aus Ennigerloh ausgegliedert und als Neubeckum eine selbstständige Gemeinde mit eigenem Amt. Die Errichtung von Zementwerken wurde durch die Eröffnung der Strecke der Westfälischen Landeseisenbahn nach Warendorf stark beeinflusst.

Bahnhof

Wie bei so vielen Bahnhöfen der jungen WLE war auch Ennigerloh in den ersten Jahren einem stetigen Wachstum unterworfen. Im Jahr 1913 wurde ein Stellwerk für die Bedienung von Weichen, Signalen und Schranken eingerichtet, in den Jahren 1914 und 1922 das Empfangsgebäude erweitert und schließlich 1924 ein fast endgültiger Gleisplan angelegt.
Betrieblich ist der Bahnhof bis zu seinem Rückbau 1976 besetzt mit mindestens einem örtlichen Beamten auf dem Stellwerk und Mitarbeitern im Güterschuppen und Bahnhofsbüro, welche auch für die Bedienung der Schranken im südlichen Teil zuständig sind.


Im Bahnhof selber gab es nicht sehr viele Anschlüsse. Allerdings war eine Lokstation vorhanden und eine Möglichkeit, die Kapazität der Rangier- und Abstellgleise deutlich zu erhöhen.


Zeitschiene
Da für fast alle zu betrachtenden Zeiträume Bildfahrpläne von der Strecke Neubeckum – Warendorf vorliegen werden diese hier, teilweise zusammen mit Buchfahrplanauszügen, verwendet.
Old 1928


Zwei Lokomotiven sind in Ennigerloh stationiert. Sie verlassen zwischen 5 und 6 Uhr den Bahnhof mit Güterzug 607 und Personenzug 147. Es fahren einige Personenzüge auf der Strecke, einige dieser Züge sind für die Güterbeförderung freigegen (zus. gestrichelte Linie). Für den Güterverkehr reichen zwei Übergaben von Neubeckum nach Ennigerloh und ein Ng – Paar von Warendorf. Eingesetzt werden Loks aus dem Anfangsbestand vom T3 ähnlichen Typ, Vierkuppler (Nummern 151 ff) und Personenzugloks der 90er Nummern.



IIIa 1955

Noch immer sind zwei Lokomotiven in Ennigerloh beheimatet, dazu kommen zwei Loks und ein Triebwagen aus Warendorf. Nach den Unterlagen des Betriebsbüros ist für die Übergabe 621 die Lok 0153 (Dht, ähnlich T13) vorgesehen, für die Üb 623 und damit auch für den Ng 601 bis Sendenhorst die 0102 (Eht, siehe Beitrag).
Als Lok für den P 143 und alle weiteren Züge dieses Umlaufs ist 0074 (1´Cht, T9.1) vorgesehen, den Umlauf P 145 / P 146 fährt die Lok 0021 (1´Bht, siehe Beitrag).
Einige Züge haben zwar eine durchgehende Zugnummer (P 140 oder P 143), wechseln aber in Neubeckum die Zuglok mit dem Gegenzug.
Neben den durchgehenden Personenzügen Neubeckum – Warendorf gibt es noch drei „Vorortzüge“ zwischen Neubeckum und Ennigerloh.
(Umlaufplan an Werktagen Sommer 1953: Sammlung Riegel)

Zum Herbst 1954 hat sich noch nicht viel am Fahrplan geändert. Hier ist es jetzt ein Auszug aus dem Gesamtplan, der auch die „nur Sonntags“ Züge enthält und in grüner Tinte die Omnibusfahrten. Die roten Buchstaben über der Zugnummer bedeuten: B = Briefbeutelpost, P = Allespost im PwPosti.
Scheinbar hat der Güterverkehr (blaue Linien) zugenommen, aber viele Züge sind auch als Bedarfsfahrten ausgewiesen.
Beide Ennigerloher Loks sind im Güterzugdienst eingesetzt und sind Dampfloks wie im Vorjahr. Der Ng 602 kommt direkt aus Sendenhorst wieder nach Ennigerloh.
(Bildfahrplan Herbst 1954: Sammlung Riegel)

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Alle Züge nach den Anschlußstellen nördlich vom Bahnhof Ennigerloh sind als Bedarfsfahrten im Buchfahrplan und auch im Bildfahrplan (s. o., gestrichelte Linien) vermerkt (Buchfahrplan 1954: Sammlung Riegel)

Ab dem 3. Juni 1956 wird der Gesamtverkehr zwischen Westkirchen und Warendorf eingestellt, den Personenverkehr übernehmen Omnibusse der Kraftverkehr Westfalen. Einige Triebwagenfahrten zwischen Neubeckum und Ennigerloh bleiben in den nächsten Jahren.

IIIb 1961

Für diesen Zeitraum liegt der Lokumlaufplan vom Sommer 1963 vor. Seit der zweiten Hälfte der 1950er Jahre wird eine Diesellok (MaK 800 PS D) im Rangierdienst rund um Ennigerloh eingesetzt (siehe Beiträge „Verdieselung“). Allerdings übernachtet die Lok in Neubeckum im DB Lokschuppen, da der eigene Schuppen in Ennigerloh renoviert wird.
Alle Züge sind jetzt Übergabefahrten und kurz nach Mittag wird einmal nach Westkirchen gefahren.
Interessant ist, dass die Steinzüge für Germania und Elsa Dg 6330 und Dg 6334 (siehe Beiträge dort) von der Ennigerloher Lok ab Neubeckum Übergabebahnhof gefahren werden.
Und das die Üb 648 / 649 bei Bedarf von der Münsteraner Lok aus dem Ng 602 und 601 befördert werden. Dies ist u. a. darin begründet, dass viele Güterwagen (beladen oder auch leer) für die Bahnhöfe zwischen Neubeckum und Ennigerloh von der DB in Münster an die WLE übergeben werden.
Als einziger Personenzug besucht ein Triebwagen von 17.24 bis 17.28 Uhr den Bahnhof Ennigerloh. Dieser ist im Lok-Umlaufplan nicht verzeichnet.
(Lokumlaufplan Sommer 1963: Sammlung Riegel)
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IV 1971
Gegenüber 1963 sind keine größeren Veränderungen in den Fahrplänen erfolgt. Der Personenverkehr durch die einzelne Triebwagenfahrt endet am 1. Mai 1970. Die Strecke nördlich vom Anschluß Anneliese nach Westkirchen wird zum 1. Juni 1973 stillgelegt. In den nächsten Jahren fahren noch enige Sonderzüge von Eisenbahnfreunden bis nach Ennigerloh. Sogar die ELNA BLE 142 aus Bochum Dahlhausen hat am Lokschuppen noch einmal Wasser genommen.




Rückbau
Anfang der 1970er Jahre befand sich die WLE in „schwerem Fahrwasser“. Die Kosten konnten schon lange nicht mehr durch die Einnahmen gedeckt werden und eine Übernahme der Strecken durch die DB wurde angestrebt. Durch die Landesregierung NRW wurde ein Programm zur Rationalisierung auferlegt. In diesem war unter anderem die Einstellung des Personenverkehrs vorgegeben und ein radikaler Personalabbau. Alle nicht unbedingt für den Betrieb nötigen Dienstposten sollten gestrichen werden. Für Ennigerloh hieß das: Der Stückgutverkehr wurde nach Beckum verlagert, die Besetzung des Stellwerks und die Dienststelle im Bahnhof gestrichen und der Rückbau der Gleisanlagen geplant. Zudem plante die Stadt Ennigerloh einen großzügigen Straßenausbau als Ring um den Dorfkern.

Einfahrt von Süden / Neubeckum
Im Rahmen der bahnaufsichtlichen Bereisung wurden 1973 einige „dienstliche“ Fotos gemacht.



Die Schrankenbude und Kurbeln für 3 Bahnübergänge an der Oelder Straße (Foto: Sammlung Riegel)
Einfahrt von Norden / Westkirchen




Modell
Es hat in der Anfangszeit der Privatbahnbewegung im FREMO den Ansatz gegeben, Ennigerloh als eine Art Zentralbahnhof zu bauen. Es ist aber bei den Ideensammlungen geblieben.
Quellen
Sammlung Christoph Riegel
Kückmann, Beyer, Von Warstein bis ins Münsterland, DGEG Medien
Archiv WLE in Soest und Lippstadt
FREMO WLE Zoom April 2021
Diverse Netzfunde