Münster (1)

Die WLE Strecke nach Münster (Sammlung Riegel)

Vorwort

Am 1. Oktober 1903 wurde die Bahn zwischen Neubeckum und Münster als späteste und letzte Strecke der WLE eröffnet. Bereits 1888 begannen Beckumer Industrielle den Bau einer schmalspurigen Kleinbahn von Beckum an den zukünftigen Kanal bei Hiltrup, südlich von Münster, zu betreiben. Der Kanal wurde erst 1899 eröffnet und über die Jahre wurde die WLE durch Beteiligung der Provinzialverwaltung für die Verbindung Neubeckum – Münster gewonnen.

Allerdings gestalteten sich die Verhandlungen für einen Anschluß an die Staatsbahn in Münster sehr schwierig. Einen Hauptbahnhof gab es in der Stadt erst seit dem 1. Oktober 1890. Dieser entstand durch die Zusammen- und Höherlegung der bisherigen Bahnhöfe aus der vor-Staatsbahnzeit. Am 21. Nov 1899 wurde die königliche Genehmigung für den Bau der WLE Strecke erteilt. Zu diesem Zeitpunkt waren die Verhandlungen über die Streckenführung und den Anschluß in Münster noch nicht abgeschlossen. Mit den Besitzern der benötigten Grundstücke, Mühlenbesitzer Kiesekamp, der Stadt Münster als Besitzerin der Hafenbahn und der Staatsbahn als Besitzerin der Grundstücke der ehemaligen Venloer Eisenbahn, konnten im Sommer 1902 die abschließenden Verträge unterzeichnet werden. Damit waren nicht alle offenen Fragen bezüglich des Wagenübergangs in Münster geklärt, aber die Bauarbeiten konnten vorangehen.

Nicht um die gesamte Strecke soll es in den Beiträgen mit dem Titel „Münster“ gehen, sondern um die letzten Kilometer bis in die Stadt, die daran liegenden Anschließer und Bahnhöfe.

Die letzten Kilometer

In diesem Teil wird über die Geschichte und Veränderung von der Stadtgrenze bis zum Kanal berichtet.

Stadtplan von 1934, Streckenausschnitt von der Kreuzung Heumannsweg bis zur Kanalbrücke (Katasteramt Münster)

An der nord-östlichen Seite der Landstraße nach Albersloh entlang führte die Strecke der WLE. In einem eleganten S-Bogen wurde diese Straße und schließlich der Kanal überquert. Auf dem höhengleichen Überweg über die Landstraße zweigt der Anschluß „Faßfabrik“ in Richtung Stadt ab. Das Adressbuch der Stadt Münster von 1932 nennt an dieser Adresse: „Münstersche Faßfabrik GmbH, Sitz Bochum“. Auf dem Stadtplan ist das helle Gebäude aus dem Luftbild ebenfalls eingetragen. Am Bahnübergang zweigt der Königsweg ab. Der Anstieg zur Kanalbrücke beginnt etwa in der Mitte zwischen Bahnübergang und Kanal. Am Schattenwurf der Brücke ist die alte Bauform mit den niedrigeren Enden zu erkennen.

Luftbild von 1930; Kurve, Damm, alte Kanalbrücke und Faßfabrikund viel leeres Feld (Katasteramt Münster)

Für das Jahr 1937 sind einige Änderungen zu vermerken. Das helle Gebäude am Albersloher Weg Nr. 171 erhält einen Gleisanschluß, das Einwohnerbuch von 1940 nennt dazu die Firma Börger, Kohlengroßhandlung. Desweiteren stehen umfangreiche Baumaßnahmen in diesem Bereich an. Im Geschäftsbericht der WLE für das Jahr 1937 ist dazu zu lesen:

Luftbild von 1935 (Katasteramt Münster)

Am oberen Bildrand ist noch die Faßfabrik zu erkennen, aber auf dem ehemals freien Gelände sind die Bauten für das Luftkreiskommando schon weit fortgeschritten. Zum Flughafen auf der Loddenheide ist ein Anschlußgleis verlegt worden. Dieses wird in den offiziellen Unterlagen nur als Loddenheide II bezeichnet.

Die Baupläne für die neue Brücke 1942 (Archiv WLE)
Plan über die Umgestaltung der Gleisanlagen 1943 an der neuen Brücke (LAV NRW W. Regierung Münster 8115, Sammlung Riegel)

Da dieser Plan nicht genordet ist stimmen die „10 m südlich der bisherigen Brücke“ mit dem Geschäftsbericht überein. Im Geschäftsbericht 1938 werden die Bauarbeiten als durch „staatspolitisch wichtige Bauten“ verzögert beschrieben. Tatsächlich wurde die Kanalverlegung erst 1942 begonnen und ein Jahr später fertig gestellt.

Luftbild 1943 (Katasteramt Münster)

Auf diesem Luftbild sind die beendeten Bauarbeiten gut zu erkennen. Die neue Kanalbrücke (Schattenwurf), die Strecke auf dem Damm mit drei Brücken, bei denen Straßen unterqueren und einer unbenutzten Brücke neben der Kanalbrücke für die zukünftige Umgehngsstraße. Die Trasse der alten Streckenführung ist am nördlichen Dammfuß zu erkennen. Ein Damm südlich der Strecke scheint für den Anschluß zum Flugplatz vorgesehen zu sein, ein Gleis ist aber nicht zu erkennen. Die Gebäude für den „Fliegerhorst“ sind fertggestellt.

Stadtplan 1942 mit hervorgehobenen Brücken (Katasteramt Münster)

Der Stadtplan von 1942 beschreibt auch den geplanten Verlauf der Umgehungsstraße. Bis zum Beginn der 1950er Jahre gibt es keine neuen Planungen.

Die Umgebung der Kanalbrücke 1952 (Foto: LWL_Medienzentrum)

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Der Zustand im September 1954, das alte WLE Grundstück nördlicher der Bahn ist erkennbar (Archiv WLE)

Nach dem Krieg wurden die Planungen für einen Neubau der nun B 51 genannten Straße im Süden von Münster als Umgehungsstraße wieder aufgenommen. Allerdings sollte die Straße breiter und großzügiger trassiert werden, als um 1937 geplant.

Luftbild 1954, die alte und neue Fahrt des Kanals sind unten links zu erkennen, von den Gebäuden des Luftkreiskommandos ist viel zerstört, nach dem Adressbuch der Stadt leben hier aber über 1500 Menschen. (Katasteramt Münster)
Der Plan von 1965 zeigt die Lage der neuen Brücke über die Umgehungsstraße und der Anschlußweiche zur Loddenheide. Zwei nicht mehr benötigte Brücken wurden abgebaut und die Öffnungen im Damm verschlossen. Die für die frühe Umgehungsstraße vorgesehene Brücke bleibt erhalten. (Archiv WLE)
Am 13. Juni 1967 rangiert VL 0613 auf der „Soda“ Brücke über die unbenutzte Trasse, jetzt Eulerstraße genannt (Foto: Löttgers, Archiv WLE)
Luftbild 1961 (Katasteramt Münster)
1963 überquert der Zug die fast 10 Jahre alte Umgehungsstraße (Foto: Archiv WLE)

Im Dezember 1958 erhält der Bahnhof Münster Ost Lichtsignale für die Einfahrt und die Ausfahrt nach Münster DB. Der Mast des Einfahrsignals ist hier im Bild.

Im Oktober 1966 ist ein Triebwagen nach Neubeckum auf der, nach dem Krieg erneuerten Brücke über den Albersloher Weg unterwegs (Foto: Todt, Sammlung EFW)
An der gleichen Stelle ist eine 800 D von Mak mit dem morgendlichen P 141 nach Münster Ende der 1960er Jahre zu sehen (Foto: Kappel)
Am 13. April 1697 fährt ein Triebwagenersatzzug nach Neubeckum über die Kanalbrücke (Foto: Löttgers, Archiv WLE)
VT 1033 und VS 1532 überqueren am 14. Juni 1967 die Umgehungsstraße. Die Brücke ist besonders breit, da das Gleis in der Kurve liegt. (Foto: Löttgers, Archiv WLE)
Ein Nachschuß auf den Ersatzzug für Pt 1649 mit DL 0031 am 13. Juni 1967 in Höhe der Teerschotter Enladungen zwischen der Umgehungsstraße und dem Kanal (Foto: Löttgers, Archiv WLE)
Am 24. März 1970 rangiert DL 0033 auf der Kanalbrücke (Foto: Ditz)
Luftbild 1968 als Abschluß (Katasteramt Münster)

Quellen

Sammlung Christoph Riegel

Archive WLE, Lippstadt und Soest

Kückmann, Beyer, Von Warstein bis ins Münsterland, DGEG Medien

Kuhne, Eisenbahndirektion Münster, Neddermeyer

llerbrock, Der Dortmund Ems Kanal, DGEG Medien

Schollmeiser/Thier, Münster auf alten Postkarten, Vom Aasee zum Hafen, Aschendorff Verlag

Diverse Netzfunde

Für die Luftaufnahme des Katasteramtes der Stadt Münster: Vervielfältigt mit Genehmigung des Vermessungs- und Katasteramtes der Stadt Münster vom 10.02.2026 Kontrollnummer: 6222-26-00434

Einwohnerbuch der Stadt Münster 1962 / 1963 Verlag des Einwohnerbuches der Stadt Münster Westf., 68. Jahrgang

Einwohnerbuch der Stadt Münster 1932, 1940, 1950; Digitalisat im Stadtarchiv Münster über Archive NRW