An der Provinzialstraße – Menke (3)

An der Provinzialstraße, heute B55, hatten sich schon vor dem Bau der Westfälischen Landeseisenbahn nach Warstein in engem Abstand fünf Betriebe der eisenverarbeitenden Industrie angesiedelt. Alle Betriebe erhielten eine Gleisanschluß.

Auf dem Kartenausschnitt sind die fünf Werke mit Nummern versehen.

(Topog. Karte 1936/45, Quelle TIM online)

Vorwort

In der „Sammlung betrieblicher Vorschriften“ (SbV) aus dem Buchfahrplan Sommer 1963 sind die Anschließer zwischen Belecke und Warstein noch alle aufgeführt. Die in dieser Auflistung genannten Namen werden für die Überschrift verwendet, die vor- oder nachher gebräuchlichen, oder die Umgangssprachlichen werden in den einzelnen Beiträgen ebenfalls genannt.

Sammlung betrieblicher Vorschriften aus dem Buchfahrplan 1963 (Sammlung Riegel)
Unterschiedliche Namen der Anschließer seit 1938 (Grafik: Riegel)

Firmengeschichte

Diese Betriebsstätte gehörte, wie die zwei folgenden, zur Firmengruppe Gabriel & Bergenthal und wurde als letzte 1834 zur Weiterverarbeitung des in den anderen Betriebsteilen gewonnenen Eisens genutzt. Die Veredelung geschah durch das sog. „Puddelverfahren“ in dem durch Bearbeitung von Eisen Stahl erzeugt wird. Dieser Stahl wurde in den anderen Betrieben der Gruppe weiterverarbeitet.

Neben den Kräften der aufgestauten Wester wurde ab 1858 auch eine Dampfmaschine als Antriebskraft genutzt. Mit der Eröffnung der WLE erhielt das Werk einen Gleisanschluß zur Anlieferung der benötigten Kohle.

Im Verbund mit den Werken Reckhammer und Eisenhammer (siehe dort) wurden Fahrzeugachsen hergestellt. Nach dem Krieg wurde das Gelände von der Firma Menke Metallwaren übernommen. Einige Gebäude wurden durch zeitgemäße Fabrikationshallen ersetzt, andere alte Schuppen blieben erhalten. Menke nutze das Anschlußgleis für den Versand. Der Betrieb stellte Mitte der 1990er die Produktion ein.  

Ein früher Gleisplan (Archiv WLE)
Warsteiner Puddelhammer an der Belecker Landstraße. Undatiert. (Foto: LWL Medienzentrum)

Auf diesem Foto aus den 1930er Jahren ist die Provinzialstraße nicht ausgebaut. Man vergleiche es mit dem übernächsten Foto.

Die Produktionshallen der Firma Menke etwa 1950 (Foto: Heimatverein Belecke)

Gegenansicht zum vorherigen Bild, etwa 20 Jahre später. Die Stauteiche sind noch vorhanden. Entlang dieser Teiche sind noch Überreste des Puddelhammers zu sehen (oben rechts). Vor dem Bürogebäude ist eine Laderampe für einen Güterwagen vorhanden. Die Bundesstraße ist noch nicht zum breitesten Stand ausgebaut.

Ein Steinzug mit einer Deutz Diesellok am 3. September 1966 zwischen Menke und den Esser Werken (Foto: Frenz, Sammlung EFW)

Jetzt hat die B55 den letzten Ausbauzustand erreicht. Im Hintergrund die die Werksanlagen der Firma Menke zu erkennen.

Bedienfahrten zu den Anschlüssen 3 bis 5 im Sommer 1963 (Sammlung Riegel)
Buchfahrplanauszug Sommer 1963 (Sammlung Riegel)

In den betrieblichen Vorschiften (siehe oben) sind für den Anschluß Menke ( *) ) für die Züge 304 und 306 Ausnahmen und besondere Bedingungen für das Rangieren ( 1) bis 5) ) angegeben. Menke hatte einen eigenen Stückgutwagen im Ausgang, der von diesen Züge aufgenommen werden konnte. Die normale Fahrzeit beträgt zwischen Warstein und Belecke Pbf bei Personenzügen 11 Minuten (bei Halt in Lanfer) und bei Güterzügen 14 Minuten. Auch bei Ng 304 wird Samstags mit 14 Minuten gerechnet, bei Ng 306 sind allerdings 22 Minuten vorgesehen. Somit ist bei diesem ein Rangieren bei Menke eingeplant. Und dies auch ohne besonderen Nachweis im Fahrplan.

Gleisplan mit schon ausgekreuztem Anschlußgleis, etwa 1980 (Archiv WLE)
Luftbild Menke 1960 (Sammlung Riegel)

Quellen

Sammlung Christoph Riegel

Weg der Montangeschichte, Stadtmarketing Warstein

Belecke in der Zeit des Wirtschaftswunders, Kultur- und Heimatverein Badulikum

Archiv WLE in Soest und Lippstadt

FREMO WLE Zoom

Diverse Netzfunde