Zwischen dem Möhnesee und Belecke an der Stammbahn lagen neben Niederbergheim (siehe Beitrag) noch zwei weitere Bahnhöfe. Dazu gehörte auch Sichtigvor.

Bei der Planung der Möhnetalbahn wurde lange Zeit gestritten, auf welcher Seite der Möhne die Bahn entlang führen sollte. Und ob damit Mülheim oder Sichtigvor eine Bahnstation bekommen sollte. Letztendlich blieb die Strecke ab Belecke für einen längeren Abschnitt auf der südlichen Seite des Gewässers und Sichtigvor bekam den Bahnhof.
Die Strecke wurde am 1. Dezember 1899 eröffnet. Als Besonderheit wurde in Sichtigvor kein Empfangsgebäude der WLE errichtet, sondern ein vorhandenes Wohnhaus dafür genutzt. Hieraus ergab sich die Lage des Gebäudes nicht parallel zum Gleis und sein Äußeres als Fachwerkhaus.

Neben den Einfahrsignalen und den Weichen an den Einfahrten waren auch zwei Bahnschranken zu bedienen. Die Weichen- und Signalhebel wurden in einem Schrank vor dem Gebäude untergebracht, die Schrankenkurbeln daneben. Da im Wohnhaus auch kein ordentlicher Dienstraum vorhanden war wurde in den 1920er Jahren ein Stellwerkshäuschen am Ende des Stumpfgleises errichtet.

In Sichtigvor befanden sich einige Kettenschmieden, die ihre Produkte auch am Bahnhof verluden. Nur ein größeres Werk hatte einen eigenen Gleisanschluß (siehe Beitrag Kettenschmiede). Daneben wurde Holz für die Zechen im Ruhrgebiet aus den umliegenden Wäldern auf der Ladestraße zugeschnitten und verladen.

Auf dem Bild sind die Anbauten am Wohnhaus für die Lagerung von Bahngut zu erkennen. Weitere Gebäude oder Besonderheiten waren auf dem Bahnhof nicht zu finden.
Zeitschiene
Old 1926



Die Abfahrtszeiten der Züge in Sichtigvor 1933. Der Bahnhof ist besetzt und es verkehren die, für das Südnetz üblichen 5 Personenzugpaare und ein Güterzugpaar. Kreuzungen finden planmäßig nicht statt.

Es ist erstaunlich, daß es für diese Epoche recht viele Fotos vom Bahnhof gibt.
IIIa 1955

Im Sommer 1955 verkehren noch viele Züge auf der Möhnetalbahn. Zu den bekannten 5 Zugpaaren im Personenverkehr und dem Güterzugpaar 721 / 724 ist gegen Mittag / frühem Nachmittag noch bei Bedarf ein weiteres Güterzugpaar 723 / 722 unterwegs.
Während Zug 724 abends im Bahnhof rangiert kreuzt er mit dem P 39 und wird von P 40 überholt.
Der noch im Herbst 1954 vorgesehene Bedarfspersonenzug P 41 (siehe Beitrag Niederbergheim) ist bereits nicht mehr im Fahrplan aufgeführt.

.

IIIb 1958


Ein letzter Versuch der Aufwertung der Möhnetalbahn vor der drohenden Stillegung. Ab 1957 verkehrt zwischen Münster und Bad Wildungen der „Kiepenkerl Express“, im Fahrplan als Eiltriebwagen Schienenomnibus (Eto) 4593 und 4594 vermerkt. Und auf der Fahrt nach Bad Wildungen hält dieser Zug sogar in Sichtigvor.
Von den WLE Personenzügen ist nicht viel geblieben. Der P 31 verkehrt nur noch von Wamel (bis hierher Leerzug von Soest) nach Belecke und als Schülerzug P 32 zurück nach Soest. Das Paar P 35 und P 38 fährt noch von Soest nach Brilon und zurück.
Der P 39 fährt nur noch bis Belecke.
Im Güterverkehr bedient nur noch der Ng 722 den Bahnhof auf der Fahrt nach Soest.

Einige Jahre später verkehrt nur noch ein Güterzugpaar.

Am 29. Mai 1960 wird der Personenverkehr zwischen Soest und Brilon eingestellt. Auch der „Kiepenkerl Express“ endet. Es bleiben noch ein bis zwei Güterzugpaare zwischen Belecke und Soest.
Am 28. September 1969 verabschiedet sich das Dorf mit einem Sonderzug von seiner Bahn.

IV 1972
Ab dem 17. April 1970 endete der Betrieb zwischen Soest Süd und Belecke. Die Strecke wurde abgebaut und in den nächsten Jahren entstand ein Radwanderweg.
Heute stehen zwei alte, gut gepflegte Eisenbahnwagen auf dem Gelände des Bahnhofs am Radweg und laden an Sonntagen zu einem Besuch der Geschichte der Möhnetalbahn ein.
Modell
Hier gibt es nichts zu berichten, obwohl der Bahnhof mit dem Charme einer Landstation einiges zu bieten hätte.
Quellen
Sammlung Christoph Riegel
Archiv WLE, Lippstadt und Soest
Weg der Montangeschichte, Stadtmarketing Warstein
Die Eisenbahn im Möhnetal, Heimatvereine des mittleren Möhnetals
Sammlung Haus Dassel
Diverse Netzfunde