Zwischen dem Möhnesee und Belecke an der Stammbahn lagen neben Niederbergheim und Sichtigvor (siehe entsprechnede Beiträge) noch die Bahnhöfe von Allagen. „Bahnhöfe“? dazu weiter unten mehr.

Im Herbst 1886 hatte Georg Dassel die zu dieser Zeit stilliegenden Westfälischen Marmor- und Granitwerke übernommen. Die für diesen Betrieb am Ortsrand von Allagen benötigten Marmor- und Steinblöcke wurden bis Belecke auf der WLE transportiert und von dort mühsam mit Fuhrwerken nach Allagen gebracht. So war es nicht erstaunlich, dass Dassel ein großer Befürworter der geplanten Möhnetalbahn war. Als nun 1890 erste Pläne für diese Strecke vorgestellt wurden, forderte der Fabrikant Bergenthal aus Warstein eine „direkte Linie“ von Belecke nach Soest, die Allagen nicht berührt hätte. Dies führte zu einer öffentlich ausgetragenen Debatte beider Unternehmer. Letztendlich wurden durch verschieden Kommissionen die Vorteile einer Streckenführung über Allagen und Niederbergheim bestätigt und am 18. Mai 1897 mit den Arbeiten an der nun festgelegten Streckenführung begonnen.
Die Strecke wurde am 1. Dezember 1899 eröffnet und das Werk Dassel in Allagen erhielt einen Gleisanschluß.

Das in Gleisplan genannte Weichen- und Signalstellwerk bestand aus einem verschießbaren Schrank am Empfangsgebäude mit den 4 nötigen Hebeln. Daneben befanden sich die Kurbeln für die Schrankenanlage. Von dem Stall neben den Bahnhof ist eine Entwurfszeichnung erhalten geblieben.

Neben den Produkten für das und von dem Werk Dassel wurde auf der Ladestraße Holz aus dem Arnsberger Wald verladen, meist als Grubenholz für das Ruhrgebiet.

Im Hintergrund das Werk Dassel, auf der Ladestraße liegt einiges Holz zur Verladung bereit.
Zeitschiene
Old 1926

Auf diesem Foto ist in der Verlängerung von Gleis 1 ein Gleis zu einem Schüttgerüst zu sehen. Und gewaltige Berge von wohl beim Schneiden der Steinblöcke entstehender Reste. Dieses Gleis ist in keinem bekannten Gleisplan nachzuweisen.


Die Abfahrtszeiten der Züge in Allagen 1933. Der Bahnhof ist besetzt und es verkehren die, für das Südnetz üblichen 5 Personenzugpaare und ein Güterzugpaar. Die einzige Kreuzung am Tag finden zwischen G 724 und dem P 39 statt.
IIIa 1955

Beginnen wir mit einem Foto aus dem April 1945 mit amerikanischen Truppen im Bahnhof. (Foto: Netzfund)
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Gut ist auf diesem Foto das „Stellwerk“ mit den 4 Hebeln für Weichen und Signale zu erkennen. Und die Verlängerung des Güterschuppens.
Im Sommer 1955 verkehren noch viele Züge auf der Möhnetalbahn. Zu den bekannten 5 Zugpaaren im Personenverkehr und dem Güterzugpaar 721 / 724 ist gegen Mittag / frühem Nachmittag noch bei Bedarf ein weiteres Güterzugpaar 723 / 722 unterwegs.
Der Zug 724 folgt abends dem P 40 nach der Überholung in Sichtigvor.


IIIb 1958

Auf dieser Aufnahme ist die Verlängerung am Gleis 1 nicht mehr vorhanden, ebensowenig die Einfahrsignale. Sie wurden durch Ne1 Tafeln ersetzt, siehe auch Gleisplan von 1956 oben, dort noch mit K15 bezeichnet.

Ein letzter Versuch der Aufwertung der Möhnetalbahn vor der drohenden Stillegung. Ab 1957 verkehrt zwischen Münster und Bad Wildungen der „Kiepenkerl Express“, im Fahrplan als Eiltriebwagen Schienenomnibus (Eto) 4593 und 4594 vermerkt. Sie durchfahren Allagen ohne Halt.
Von den WLE Personenzügen ist nicht viel geblieben. Der P 31 verkehrt nur noch von Wamel (bis hierher Leerzug von Soest) nach Belecke und als Schülerzug P 32 zurück nach Soest. Das Paar P 35 und P 38 fährt noch von Soest nach Brilon und zurück.
Der P 39 fährt nur noch bis Belecke.
Im Güterverkehr bedient nur noch der Ng 722 den Bahnhof auf der Fahrt nach Soest.
Am 29. Mai 1960 wird der Personenverkehr zwischen Soest und Brilon eingestellt. Auch der „Kiepenkerl Express“ endet. Es bleiben noch ein bis zwei Güterzugpaare zwischen Belecke und Soest.
Einige Jahre später verkehrt nur noch ein Güterzugpaar.

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Exkurs Sonderfahrten
Nach Einstellung des Personenverkehrs finden noch einige Sonderfahrten für Eisenbahnfreunde auf der Möhnetalbahn statt. So auch am 3. September 1966 von den Eisenbahnfreunden Hannover. Die Dampflok DL 0122 befördert einen Sonderzug aus einem DB – Gesellschaftswagen und drei WLE Personenwagen von Warstein nach Wamel und weiter nach Soest. Eine von vielen nicht mitreisenden Fotografen genutzte Gelegenheit.




Und am 13. April 1969 ist die DGEG mit einem Sonderzug auf der WLE über die Möhnetalbahn nach Warstein unterwegs und wird in Allagen von einem Wintereinbruch überrascht.


IV 1972
Ab dem 17. April 1970 endete der Betrieb zwischen Soest Süd und Belecke. Die Strecke wurde abgebaut und in den nächsten Jahren entstand ein Radwanderweg.
Der „andere“ Bahnhof
Wegen der schlechten Sicht auf den Bahnhübergang an der Dorfstraße wurde bereits bei der Abnahmefahrt vor der Eröffnung der Strecke vom Regierungspräsidenten in Arnsberg ein Halt der Züge vor der Dorfstraße gefordert. Dies führte zu dem Vorschalg dort eine Haltestelle für die Züge vorzusehen, „auch wenn die Entfernung von der Haltestelle am Marmorwerk nicht einmal 1000 m betrage“. Nach längeren Verhandlungen zwischen Regierung in Arnsberg, dem Königlichen Eisenbahnkommisar in Münster und dem Vorstand der WLE wurde schließlich am 1. Oktober 1900 der Haltepunkt „Allagen – Dorfstraße“ eröffnet.




Aus den Fotos sind die großen Höhenunterschiede zwischen dem Dorf und der Strecke im Möhnetal zu erkennen. Für ein Pferdegespann war es sicherlich schwierig auf der Fahrt ins Tal vor dem Bahnübergang zum Stehen zu kommen sollte sich ein Zug ankündigen.
Modell
Vor einigen Jahren suchte ein neues FREMO Mitglied einen Vorschlag für eine Betriebsstelle. „Irgendwas mit sägen“ sollte es sein. Ich habe ihm Allagen vorgeschlagen. Über die Recherche wurden wir zu Freunden und konnten viele neue Kontakte knüpfen. Nach dem der Bahnhof schnell realisiert wurde bot sich als Folgeprojekt die Strecke bis zur Dorfstraße an. Auch diese entstand in kurzer Zeit. Leider verstarb unser Freund über dem Bau der Dorfstraßen – Module und lies uns mit offenen Fragen zurück. So ist es seither nicht ganz einfach, Allagen auf FREMO Treffen zu sehen.
Viele der folgenden Modul Fotos werden nach Lesen dieses Beitrag zu verorten sein. Also: einfach die tolle Gestaltung wirken lassen.





Quellen
Sammlung Christoph Riegel
Archiv WLE, Lippstadt und Soest
Weg der Montangeschichte, Stadtmarketing Warstein
Die Eisenbahn im Möhnetal, Heimatvereine des mittleren Möhnetals
Sammlung Haus Dassel
Diverse Netzfunde