Vorwort
Nachdem zwischen 1890 und 1895 die Planungen für die Möhnetalbahn konkreter wurden, suchte der Vorstand der WLE nach weiteren Strecken, die den zu erwartenden Verkehrsverlust für die Stammbahn Lippstadt – Warstein ausgleichen konnten. Die direkte Verbindung nach Norden zur Köln – Mindener – Eisenbahn wurde von Lippstadt seit dem 25. Juni 1887 durch die preußische „Rhedaer Bahn“ hergestellt. So plante die WLE eine Verbindung von Lippstadt nach Beckum. Schon 1879 wurde Beckum mit einer Stichbahn an die „Köln – Mindener“ angebunden. So bot sich dieser Bahnhof als Anschluß für die WLE an.

Ursprünglich sollte die neue Strecke von Liesborn (2700 Einwohner) nach Diestedde (1100 Einwohner) führen. Wadersloh (4400 Einwohner) konnte aber mit einiger Werbung für den Ort den WLE Vorstand überzeugen (Einwohnerzahlen von 1890). So wurde auch der Bahnhof Wadersloh am Südrand des Dorfes am 20. Oktober 1898 eröffnet.

Da Wadersloh in etwa in der Mitte zwischen Lippstadt und Beckum gelegen war, wurde eine Wasserstation mit Brunnen und Wasserturm eingerichtet. Neben Produkten der Landwirtschaft war der Personenverkehr von Anfang an bedeutend. Menschen konnten nun in den Fabriken in den Kreisstädten Beckum und Lippstadt Arbeit finden und auch für Schüler waren die weiterbildenden Schulen in diesen Städten erreichbar.

Gebäude

In Wadersloh wurde ein Empfangsgebäude nach den allgemeinen Plänen der WLE errichtet. Da die Bauausführung zumeist in den Händen örtlicher Baumeister lag, gab es Abweichungen zwischen den einzelnen Stationen und mit dem zunehmenden Verkehr wurden die Gebäude laufend erweitert. Die Wasserstation wurde ebenfalls nach Plänen aus der WLE Verwaltung errichtet.
Bauzeichnung für den Wasserkran (Archiv WLE)

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Bis zum Jahr 1966 hatte das Empfangsgebäude seinen noch heute vorzufindenden Zustand erreicht. Trotz aller Abweichungen in den Gebäuden der WLE wurde bei den Ziergiebeln auf eine einheitliche Ausführung Wert gelegt und so der vermeindliche „Stil der WLE“ geschaffen.

Erweiterungen

Schon bald nach der Eröffnung wurden die ersten Erweiterungen der Gleisanlagen beantragt. Ein Gleis zu einer Laderampe an der Straße nach Diestedde erforderte die Verlegung eines Feldweges. Zu dem erweiterten Güterschuppen wurde ein Stumpfgleis eingebaut.

Schon 1912 folgte die nächste Erweiterung, die einen größeren Umbau erforderte. Es wurde ein neuer Bahnsteig zwischen den bisherigen Gleisen 2 und 3 angelegt und Gleis 4 als neues Kreuzungsgleis angelegt. Hierzu wurde der bisherige Seitenweg genutzt.

Den letzten Ausbauzustand zeigt der Plan von 1938. Das Gleis zum Güterschuppen wurde durch eine Verlängerung der Rampe bis zum Gleis 1 ersetzt und es besteht nur noch der Bahnsteig zwischen den Gleisen 2 und 3. Gleis 4 wurde bis fast an die Diestedder Straße verlängert. So hatte der Bahnhof über Jahrzehnte Bestand.
Zeitschiene
Old 1926

Der Bahnhof ist mit betrieblichem Personal besetzt. Ein Fahrdienstleiter regelt die Zugfahrten und Mitarbeiter sind für den Güterverkehr und den Fahrkartenverkauf zuständig. Über allem wacht der Bahnhofsvorstand.
Die Personenzüge auf dieser Strecke führen alle auch die 4. Klasse weil die Züge zwischen Beckum und Neubeckum auf Staatsbahngleisen fahren und dort die 4. Klasse vorhanden sein muß.
Die Güterzüge dienen dem örtlichen Verkehr.
Leider liegen aus dieser Zeit keine Fotos aus dem Bahnhof vor.
IIIa 1954
Zum Sommerfahrplan 1953 sind große Veränderungen eingetreten: die neuen Triebwagen (siehe Beitrag „Vt 1031“) haben den Großteil der Personenzüge übernommen. Nur in den frühen Morgenstunden verkehrt noch ein lokgezogener Personenzug. Sogar ein Eiltriebwagen von Warstein nach Münster hält gegen 1/2 9 Uhr in Wadersloh.
Die Zugkreuzungen der Triebwagen finden meist in Diestedde statt.
Neben den Nahgüterzügen für den Ortsverkehr sind schon einige Dg mit den neuen Omi Wagen im Steinverkehr von Warstein nach Neubeckum unterwegs.


In den einzelnen Fahrplanperioden wurden die Zugkreuzungen immer mal wieder zwischen Diestedde und Wadersloh getauscht. Manchmal wurde die Kreuzungen auch wegen Verspätungen verlegt.

Im Jahr 1959 wird die Strecke auf Zugleitbetrieb umgestellt, der Zugleiter hat seinen Arbeitsplatz in Beckum. Der Bahnhof bleibt aber noch mit Personal besetzt. Im Laufe des Jahres wird die Blinklichtanlage an der Diestedder Straße in Betrieb genommen.

III b 1965

Auch Mitte der 1960er Jahre werden die Weichen in Wadersloh noch von einem Mitarbeiter vom Stellwerk aus bedient. Auch wird noch regelmäßig Stückgut verladen und empfangen.
Der Personenverkehr ist vollständig an die Triebwagen übergegangen. Eiltriebwagen verkehren keine mehr.
Neben den Nahgüterzügen ist die Zahl der Steinzüge weiter angestiegen (siehe auch Beitrag „Steinzüge“).



Eine Weichenverbindung von Gleis 1 nach Gleis 2 wurde bereits ausgebaut. Die damalige Hebelbank mit den Weichenhebeln ist heute in den Museumsfahrzeugen der Heimatfreunde in Sichtigvor ausgestellt.



IV 1972
Es hat sich einiges geändert im Fahrplan. Die Zugnummern wurden verkürzt und mit dem Projekt 1000 der Bundesbahn hat Wadersloh 1970 die Abfertigung von Stückgut an Lippstadt abgeben müssen. Somit wird der restliche Ortsverkehr mit Übergabezügen von Lippstadt aus abgewickelt. Diese Züge fahren nur noch bis nach Diestedde und kehren von dort aus nach Lippstadt zurück.
Dafür hat die Zahl der Steinzüge deutlich zugenommen. Nach der Inbetriebnahme des Werkes Mark II in Neubeckum sollen täglich bis zu 5 Züge nach Roland (Rol) fahren, zusätzlich zu den Zügen nach Kalköfen (Ka).


Ein Vergleich mit dem Gleisplan (sicherunsanlagen) und der Planung für die Blinklichtanlage geben hier weitere Auskunft.





Im Sommer 1975 endet der Personenverkehr mit Triebwagen auf der WLE und damit auf dem Abschnitt Neubeckum – Lippstadt. Bis zu einem weiteren Umbau der Gleisanlagen (siehe unten) bleibt ein Mitarbeiter im Bahnhof beschäftigt.
Güterkunden
An Gleis 1 wurde eine öffentliche Ladestraße eingerichtet, die auch intensiv genutzt wurde. In vielen der in diesem Beitrag gezeigten Fotos sind Güterwagen zur Be- oder Entladung bereitgestellt. Darüberhinaus gab es noch zwei Ansachließer in Wadersloh.
Molkerei / Landhandel

Auf der Lippstädter Seite des Bahnhof befanden sich von Anfang an größere Gebäude. Auf diesem Foto ist das große, mehrfach erweiterte Bauwerk mit der Durchfahrt in der Mitte zu erkennen. In den alten Gleisplänen ist hier das Elektrizitätswerk eingezeichnet. Es ist anzunehmen, daß an den beiden Stumpfgleisen Kohle für das Werk angeliefert wurde. Auf dem Gleisplan von 1938 ist keine Firmenbezeichnung mehr eingetragen. Es ist aber zu erwarten, daß auch hier schon die Molkerei Einzug gehalten hatte. Diese verband sich 1967 unter anderem mit der Molkerei in Liesborn zur „Miwag“. Diese Gesellschaft wurde 1970 von der Großmolkerei DoBoMil aus dem Ruhrgebiet geschluckt. In den Gebäuden verblieb der Landhandel. Dies bezeugen auch die Selbstentladewagen, in denen Dünger angeliefert wurde.
Futtermittelfabrik

Auf der anderen, der Beckumer Seite wurde kurz nach der Eröffnung eine Laderampe in dem Dreieck zwischen Gleisen und Diestedder Straße mit einem Gleisanschluß eingerichtet. Auch in dem Gleisplan von 1938 ist dies noch eine Rampe. Also wird nach dem Krieg die große, auf vielen Fotos zum Teil sichtbare Halle gebaut worden sein. Es gibt Hinweise, das Wilhelm Ackfeld-Bonsel hier einen Landhandel und eine Futtermittel Verpackung betrieb. Dieses Unternehmen wurde 1969 von der Familie Stratkötter übernommen. Genauere Angaben liegen hier leider nicht vor. Auf dem Gleisplan von 1978 (s. u.) ist an dem Gebäude eine „Einlaufschnecke für Kraftfutter“ vermerkt.
Nach 1975
Wadersloh wir als einer der ersten Bahnhöfe mit Rückfallweichen (RfW) ausgestattet. Durch diese fahren Züge aus einer Richtung immer in ein bestimmtes Gleis ein, aus der anderen Richtung in ein anderes. In Wadersloh wird Richtung Lippstadt immer durch Gleis 4 gefahren, Richtung Beckum immer durch Gleis 2. Somit sind Zugkreuzungen ohne Mitwirkung eines örtlichen Mitarbeiters möglich.






Modell
Ein schöner, größerer Landbahnhof der einen Nachbau in welcher Epoche auch immer verdient hätte.
Quellen
Sammlung Riegel
Archive WLE in Lippstadt und Soest
Heimatverein Wadersloh
Liesborner Geschichtshefte, verschiedene Jahrgänge
Netzfunde